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Zur Person: Margot Käßmann Käßmann tritt als Bischöfin und EKD-Vorsitzende zurück
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13:31 01.03.2010
Wirft das Handtuch: Margot Käßmann. Quelle: dpa
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„Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand“ – mit diesen Worten erklärte Margot Käßmann am Mittwoch ihren überraschenden Rücktritt als hannoversche Landesbischöfin wie auch vom Amt der EKD-Ratsvorsitzenden. Anlass war ein Autofahrt am Sonnabend durch Hannover, bei der sie mit 1,54 Promille Alkohol am Steuer erwischt worden war, nachdem sie das Rotlicht einer Ampel missachtet hatte. Politiker aller Parteien, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, zollten Käßmann großen Respekt für ihre persönliche Konsequenz.

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Die 51-jährige Bischöfin hat sich trotz eines einmütigen Vertrauensvotums des Rates der EKD zum Rückzug von allen Ämtern entschlossen. Sie könne nicht darüber hinwegsehen, dass ihr Amt und ihre Autorität als Landesbischöfin durch den Vorfall am Sonnabend beschädigt seien, sagte sie zur Begründung. „Mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben“, sagte Käßmann in Hannover. Gegen die Bischöfin ist ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. „Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so, wie ich sie hatte“, sagte Käßmann – und erwähnte auch die heftige Kontroverse um ihren Einspruch zum Afghanistan-Krieg. So etwas sei nur durchzuhalten, „wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird“.

Käßmanns Rücktritt war eine Vertrauenserklärung des gesamten Rates der EKD vorangegangen, der sich Dienstagabend in einer einstündigen Telefonkonferenz mit dem Fall befasst hatte. In der hannoverschen Landeskirche war Käßmann von vielen gebeten worden, trotz der Affäre im Amt zu bleiben. Sie war seit gut zehn Jahren Landesbischöfin in Hannover – „mit Leib und Seele“, wie sie gestern bekundete. Der Rücktrittserklärung Käßmanns in der EKD folgte Beifall von zahlreichen Mitarbeitern.

Käßmann ist nun einfache Pastorin der hannoverschen Landeskirche, die sich um eine Pfarrstelle oder ein anderes Amt bewerben könne, sagte Arend de Vries, geistlicher Vizepräsident der hannoverschen Landeskirche, dieser Zeitung. Ihre Position in Hannover wird einstweilen ein „Bischofsvikar“ übernehmen, der aus dem Kreis der Landessuperintendenten stammt. Es könnte der Hildesheimer Eckard Gorka sein.

In der Evangelischen Kirche in Deutschland übernimmt der rheinische Bischof Nikolaus Schneider vorerst die Amtsgeschäfte. Er war bislang Stellvertreter Käßmanns. Die EKD-Synode wird Anfang November auf ihrem Treffen in Hannover einen neuen Vorsitzenden wählen – wen, ist derzeit völlig ungewiss.

Michael B. Berger