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Zur Person: Stephan Weil „Wir wollen Hannover stärker strahlen lassen“
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15:07 02.03.2010

Herr Oberbürgermeister, sind Sie ein Freund der zeitgenössischen Kunst? Gibt es in der überregional ausstrahlenden Ausstellung „Made in Germany“ vielleicht ein Werk, das Sie besonders mögen?

Ja, ich bin sehr interessiert an Kunst. Ich bin in meinem Büro von Kunstwerken umgeben, Werken von Horst Antes, Carl Buchheister und Kurt Schwitters. Sie stammen aus dem Sprengel Museum. Ich betrachte mein Büro als Schaufenster des Sprengel Museums. Ich mache alle, die hierherkommen, darauf aufmerksam, dass das Sprengel Museum einen Besuch wert ist. Ein Lieblingswerk bei „Made in Germany“ habe ich allerdings nicht. Ich hatte so viele Erlebnisse im letzten Monat, dass es mir schwer fällt, das Gesehene im Einzelnen zu reflektieren. Das ist keine gute Antwort, aber eine ehrliche.

Für „Made in Germany“ gab es keinen Extra-Cent an städtischen Mitteln. Für nächstes Jahr ist eine noch größere Kooperation geplant, zwischen noch mehr hannoverschen Museen. Es wird um das Thema Mode gehen. Wird die Stadt das finanziell unterstützen, oder sind Kultur und Kunst doch eher etwas für Sonntagsreden?

Für die Ausstellungen in Sachen Mode haben wir keinen zusätzlichen städtischen Etat. Dennoch wird städtisches Geld drinstecken, beispielsweise über die Unterstützung durch die „Hannover Marketing Gesellschaft“, eine Einrichtung, die in hohem Maße von Stadt und Region Hannover finanziert wird.

Sie sprachen von „Spitzenhäusern“. Welche sind das in Ihren Augen?

Wir haben eine besondere Kompetenz, was moderne bildende Kunst angeht. Ich spreche gern von den drei Heiligen Königen: Sprengel Museum, Kunstverein und Kestnergesellschaft. Die haben ein Potenzial von nationaler Kragenweite. Ich würde dann noch die junge Stiftung Ahlers Pro Arte dazunehmen. Besonders herausragend sind das Sprengel Museum und Herrenhausen. Herrenhausen ist ein Kulturpodium ganz besonderer Güte. Das sind die Themen, an denen wir in den nächsten Jahren noch stärker feilen wollen, um Hannover insgesamt stärker strahlen zu lassen.

Sie haben ja schon im Wahlkampf den Erweiterungsbau des Sprengel Museums zu einem Ihrer Programmschwerpunkte erklärt. Bis 2012 soll die Erweiterung Wirklichkeit sein, voraussichtlich mit erheblichen Zuschüssen aus EU-Strukturfördermitteln. Wie ist der aktuelle Stand?

Der jetzige Stand ist so, dass Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann und ich das Projekt wollen. Wir befinden uns in Gesprächen darüber, zu welchen Anteilen Stadt und Land als Träger des Sprengel Museums unmittelbar eintreten und zu welchen Anteilen EU-Fördermittel zur Verfügung stehen, aber da wir kein abschließendes Ergebnis haben, will ich nicht zwischendurch Wasserstandsmeldungen abgeben. Im Laufe des nächsten Jahres sollen Entscheidungen fallen.

Es war die Rede von 25 bis 30 Millionen Euro an Umbaukosten, 50 Prozent davon sollten aus EU-Mitteln kommen …

Für die städtischen Planungen habe ich darum gebeten, von einer maximalen Obergrenze von 25 Millionen Euro auszugehen. In welchem Maße EU-Fördermittel zur Verfügung stehen oder nicht, muss erst noch abgesprochen werden.

Sie nannten als Ihre Schwerpunktthemen das Sprengel Museum und Herrenhausen. Auch im Kestner-Museum gibt es Wünsche. Die Sammlung ist erheblich angewachsen, die Raumkapazitäten aber sind seit den sechziger Jahren unverändert geblieben.

Ich kenne die Pläne. Ich kann auch die Motive nachvollziehen, aber ich halte es für absehbare Zeit nicht für realistisch, das Kestner-Museum zu erweitern. Wir sind im investiven Bereich außerordentlich angespannt. Wenn wir uns eine Menge für das Sprengel Museum vornehmen, können wir nicht noch ein zweites Museum in dieser Weise deutlich erweitern. Das schmälert nicht den Wert der Arbeit, die im Kestner-Museum geleistet wird. Ich finde die aktuelle Ausstellung „Farbe“ großartig. Die inhaltliche Arbeit wird auch weiter gefördert.

Was haben Sie mit dem Historischen Museum vor?

Das Historische Museum hat eine interessante Phase vor sich. Erstmals werden wir den Beginenturm miteinbeziehen, was dringend notwendig ist. Ich bin froh, dass das jetzt möglich sein wird. Ein anderer Punkt ist: Das Land will seinen Bürgen die Landesgeschichte näherbringen. Aus unserer Sicht gibt es ein Haus der Geschichte, auch der Landesgeschichte, in Hannover, und das ist das Historische Museum. Wir sind bereit, eng mit dem Land zusammenzuarbeiten. Die enge räumliche Nähe zum Landtag schreit ja geradezu danach zu kooperieren. Künftig sollen alle Besucher des Landtages auch das Historische Museum besuchen.

Ihr Vorgänger hat sich mit dem Argument der Finanzknappheit allmählich aus gewissen kulturellen Verpflichtungen herausgezogen, aus der Oper und dem Schauspiel komplett. Das Land erschien geradezu als Notnagel.

Man muss wissen, dass der sogenannte Kulturvertrag aus dem Jahr 1994 gar kein Kulturvertrag war, denn es ging um einen Finanzausgleich. Irgendwann Anfang der neunziger Jahre hat das Land Niedersachsen den kommunalen Finanzausgleich verändert, und da ist die Stadt Hannover sehr schlecht behandelt worden. Das war noch eine Zeit, in der man einer Landesregierung ein schlechtes Gewissen machen konnte. Damals kam das Angebot, zum Ausgleich die Anteile zum Beispiel am Niedersächsischen Staatstheater ganz auf das Land zu übertragen. Das war der Hintergrund, nicht ein Desinteresse an Kultur.

Gibt es Überlegungen zu alternativen Rechtsformen für die Museen, zum Beispiel Ausgründung einer GmbH oder Überführung in eine Stiftung, um die Häuser flexibler zu machen?

Was das Sprengel Museum angeht, gibt es solche Überlegungen. Es wird ja nur zur Hälfte von der Stadt bezahlt, zur anderen Hälfte vom Land. Das Land fragt gelegentlich: „Wo werden wir sichtbar?“ Möglicherweise wird irgendwann einmal eine gemeinsame Stiftung daraus. Ich bin da unvoreingenommen und ergebnisoffen. Was die anderen Häuser anlangt, haben aber die Betroffenen zum Ausdruck gebracht, dass sie in anderen Rechtsformen keinen wirklichen Vorteil sehen. Auch hat sich in anderen Städten inzwischen gezeigt, zum Beispiel Hamburg, dass mit einem Rechtsformwechsel nicht automatisch eine höhere Wirtschaftlichkeit verbunden ist.

Wann kommt endlich ein fundierter Museumsentwicklungsplan für Hannover?

Ich habe mit Minister Stratmann verabredet, dass wir nach Möglichkeit noch in diesem Jahr gemeinsam einen Prozess zur Frage der Museumsentwicklung in Hannover einleiten. Ich glaube, wenn die Stadt allein einen Museumsentwicklungsplan erstellen würde, dann würden wir etwas kurz springen.

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