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Nachrichten Wirtschaft Agentur aus Hannover rüttelt Firmen wach
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19:45 12.02.2019
Einst Wissenschaftsminister, jetzt Chef der Demografieagentur: Lutz Stratmann. Quelle: Fot0: Florian Petrow
Hannover

Was bedeutet es für Unternehmen, wenn das Durchschnittsalter der Belegschaft steigt? Wo muss man ältere Beschäftigte entlasten, wie kann man jüngere gewinnen? Und wie passt das alles mit der Digitalisierung vieler Arbeitsbereiche zusammen?

Nur selten sind Unternehmen wirklich gewappnet für die Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt. Sie können aber Hilfe in Anspruch nehmen.Sieben Jahre ist es her, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften in Niedersachsen die Demografieagentur gegründet haben, die Unternehmen gezielt unterstützen will.

„Das ist einmalig in Deutschland“, sagt Geschäftsführer Lutz Stratmann im HAZ-Gespräch. Mehr als 170 Organisationen hätten die Angebote der in Hannover ansässigen Agentur bislang angenommen. Im Grunde führe er eine Unternehmensberatung, die aber ein Alleinstellungsmerkmal aufweise: Sie werde getragen durch den Arbeitgeberverband Niedersachsen-Metall und den Deutschen Gewerkschaftsbund. Auch die AOK ist als Gesellschafterin an Bord. Im Aufsichtsrat sitzt zudem der Chef der Staatskanzlei, Jörg Mielke.

„Der Bedarf ist groß“

Stratmann erzählt, dass die Agentur gegründet worden sei, um den demografischen Wandel und das Fachkräfteproblem in Niedersachsen zu managen. Der Bedarf sei groß. So gebe es in Südniedersachsen Unternehmen, die in den kommenden zehn Jahren altersbedingt bis zu 40 Prozent ihrer Belegschaft verlieren könnten. Andere Unternehmen haben Schwierigkeiten, junge Leute zu halten oder sind für Fachkräfte wenig attraktiv. Man habe eine Einrichtung gewollt, die das Dickicht aus tausenden Beratungsangeboten in diesem Bereich ein bisschen ausdünne, die Leute zu den richtigen Angeboten führe, sagt Stratmann.

Das dies allein nicht ausreicht, weiß er inzwischen. Man müsse offensiv auf die Betriebe zugehen, müsse sie auch ein bisschen wachrütteln, sagt er. Nur wenn man in die Firmen hineinkomme, könne man effektiv beraten und helfen. Stratmann ist seit 2014 Geschäftsführer. Vorher war er 17 Jahre lang Landtagsabgeordneter für die CDU und sieben Jahre Wissenschaftsminister. Metallarbeitgeber und DGB hätten ihn gebeten, die Demografieagentur neu aufzustellen, ein Start-up daraus zu machen. „Dann haben sich die Dinge relativ schnell und dynamisch entwickelt.“ Bereits nach relativ kurzer Zeit habe das Bundesarbeitsministerium angefragt, ob die Agentur nicht das Projekt „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ nach der Pilotphase von der Bertelsmann-Stiftung übernehmen und bundesweit umsetzen wolle. Das macht sie jetzt seit zwei Jahren von Hannover aus.

„Wir gehen in die Organisation, das können gewerbliche Betriebe sein, Behörden, Verbände“, erklärt Stratmann. „Wir gründen dort Projektgruppen, führen Analysen durch. In der Regel durch Mitarbeiterbefragung.“ Dabei gehe es um Themen wie Führung, Chancengleichheit, Gesundheit oder Wissenstransfer. Es gehe darum, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass der digitale Wandel eine große Chance sein könne. „Auf Basis der Befragungen und Analysen entwickeln wir Maßnahmen und setzen diese zusammen mit den Mitarbeitern um“, sagt Stratmann. Dafür habe die Agentur bundesweit 80 Prozessbegleiter.

Den Umsatz verdoppelt

Laut Stratmann berät die Agentur Organisationen mit 50 oder auch 5000 Mitarbeitern beim demografischen Wandel. „Darauf sind wir sehr stolz.“ Als Beispiele nennt er aus dem Behördenbereich das Landessozialamt in Hannover mit über 1000 Bediensteten, das Landesamt für Verbraucherschutz in Oldenburg und das Amtsgericht Wolfenbüttel. In der Wirtschaft berate die Agentur vor allem klassische Mittelständler. Die Unternehmen zahlen dafür je nach Größe zwischen 4000 und 19.000 Euro. Den Umsatz der Agentur hat Stratmann nach eigenen Angaben seit Amtsantritt verdoppelt – auf 1,2 Millionen Euro.

Von Marco Seng

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