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Deutschland / Welt BA-Chef Scheele rechnet mit sinkenden Arbeitslosenzahlen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt BA-Chef Scheele rechnet mit sinkenden Arbeitslosenzahlen
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11:11 01.01.2019
Die Bundesagentur für Arbeit blickt optimistisch ins neue Jahr. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Berlin

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, geht auch für das kommende Jahr von sinkenden Arbeitslosenzahlen und steigender Beschäftigung aus. „Wir schauen weiter positiv in die Zukunft“, sagte Scheele der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings werde es nicht ganz so dynamisch weitergehen wie in diesem Jahr. Eine Trendwende sei trotz internationaler Unsicherheiten aber nicht in Sicht.

Die Zahl der Arbeitslosen werde voraussichtlich um 120.000 sinken. Dies prognostiziere das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die unabhängige Denkfabrik der BA. „Das ist schon ein guter Ausblick“, betonte Scheele.

Zwei-Millionen-Marke wird 2019 nicht geknackt

Zuletzt war die Arbeitslosenquote auf 4,8 Prozent gesunken. Die Zahl der Menschen ohne Job lag im November nach BA-Statistik bei 2,186 Millionen. Die Zwei-Millionen-Marke rückt damit in greifbare Nähe. Dass sie 2019 geknackt wird, glaubt Scheele aber nicht. „Ich gehe nächstes Jahr nicht von unter zwei Millionen Arbeitslosen aus.“ Im Winter gehe die Zahl der Menschen ohne Job zunächst saisonbedingt wieder nach oben. „In der Regel im fünfstelligen Bereich.“

Risiken für den Arbeitsmarkt sieht der BA-Chef vor allem im Fachkräftemangel. „Da kommt es wirklich darauf an, dass wir das inländische Erwerbspersonenpotenzial voll ausschöpfen - die Teilzeitquote vielleicht erhöhen und keinen am Übergang von der Schule in den Beruf zurücklassen.“ Auch das geplante Fachkräftezuwanderungsgesetz werde einen Beitrag leisten können. „Den Königsweg gibt es nicht.“ Doch beim Zusammenwirken aller Möglichkeiten könne es gelingen.

Scheele zufrieden mit dem vergangenen Jahr

Angesichts der von den USA ausgehenden Handelsstreitigkeiten mit China bleibe die BA dabei: „Wir sehen nicht, dass das auf den deutschen Arbeitsmarkt durchschlagen wird.“ Beim Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) seien die Folgen schwer absehbar. Prinzipiell müsse man sagen: Der Arbeitsmarkt habe sich etwas abgekoppelt von der Konjunktur, durch eine hohe Zahl von Dienstleistungs- sowie Sozial- und Erziehungsberufen.

Bereits für 2018 zog Scheele eine positive Bilanz. „Der Frühjahrsaufschwung war besser als erwartet und hat früher eingesetzt.“ Immer weniger Menschen rutschten in die Grundsicherung. „Alles in allem muss man sagen, das war ein tolles Jahr.“

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Flexiblere Arbeitszeit – Chance oder Gefahr?

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat sich indes für flexiblere Arbeitszeiten ausgesprochen. Das Arbeitszeitgesetz müsse den Realitäten im 21. Jahrhundert angepasst werden, sagte Kramer: „Wir müssen den Rahmen neu justieren, in dem sich die Unternehmen bewegen können. Es geht nicht um Mehrarbeit, es geht um flexiblere Lösungen durch Wochenarbeitszeit, also einen Tag länger, einen Tag kürzer arbeiten.“

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kritisierte außerdem, in Deutschland sei im Arbeitszeitgesetz eine Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen von elf zusammenhängenden Stunden festgelegt: „Das lässt sich in einer digital und international vernetzen Welt der Wirtschaft aber nicht jeden Tag einhalten. Das heißt, es wird in der Praxis längst anders gehandelt - und das wird von den Arbeitnehmern mit Familie und Home Office auch gewünscht.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte vor einer Aufweichung des Achtstundentags gewarnt. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach hatte im November gesagt, dieser stehe zwar heute für viele Beschäftigte nur auf dem Papier, weil sie deutlich länger arbeiteten und auch in der Freizeit oft erreichbar sein müssten. Deshalb seien aber auch bei mobiler Arbeit oder Arbeit im Home Office Regeln zur Einhaltung des Achtstundentags und „keine Experimente zu einer noch stärkeren Ausweitung der Arbeitszeiten“ nötig. Der Achtstundentag in Deutschland war vor 100 Jahren eingeführt worden.

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Von RND/dpa/lf

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