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Deutschland / Welt 2036 ist jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt 2036 ist jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht
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10:22 27.06.2017
Nicht genug Geld zum Leben: In  Zukunft werden mehr Rentner auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sein.
Nicht genug Geld zum Leben: In Zukunft werden mehr Rentner auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sein.   Quelle: dpa
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Gütersloh

Immer mehr künftigen Rentnern droht nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung der Absturz in die Altersarmut. Das Rentensystem sei zu wenig auf den Wandel der Arbeitswelt vorbereitet, erklärte die Stiftung am Montag in Gütersloh bei der Vorstellung der Studie. Jeder fünfte deutsche Neu-Ruheständler ab 67 Jahren könnte im Jahr 2036 von Altersarmut bedroht sein. Besonders betroffen seien Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und Geringverdiener.

Die Reaktionen auf die Ergebnisse der Untersuchung fielen unterschiedlich aus. Die Diakonie mahnte die Einführung einer Mindestrente an. Diese sollte lediglich 30  Beitragsjahre voraussetzen und höher sein als die Grundsicherung, sagte Diakonie-Vorstand Maria Loheide. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) brachte einen neuen Generationenvertrag ins Gespräch, „der frühzeitig ansetzt, um Altersarmut zu verhindern“. Die beste Prävention gegen Altersarmut sei gute Arbeit, unterstrich Nahles. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte davor, notwendige Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben. Nötig sei die Bekämpfung von prekärer Arbeit und Arbeitslosigkeit, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Die CDU/CSU stellte sich gegen größere Rentenreformen für die kommenden Jahre. Die Rentenfinanzen seien wegen der guten Wirtschafts- und Beschäftigungslage besser aufgestellt als offiziell noch vor wenigen Jahren prognostiziert, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Karl Schiewerling (CDU). Es gebe daher „keine Veranlassung“, bis 2030 irgendwelche Dinge zu ändern.

Der Bertelsmann-Studie zufolge steigt das Risiko der Altersarmut bis 2036 auf 20 Prozent. Im Jahr 2015 waren es noch 16 Prozent der Rentner. Als armutsgefährdet gilt ein Ruheständler den Annahmen zufolge dann, wenn er mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 958 Euro auskommen muss. Viele der aktuell diskutierten Reformvorschläge könnten den Trend steigender Altersarmut nicht umkehren, mahnen die Autoren der Untersuchung.

Eine Stärkung der privaten wie der betrieblichen Altersvorsorge könne das Problem nicht lösen, sagte auch Ralf Kreikebohm, Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover, im HAZ-Interview. Gerade Menschen, die arbeitslos seien oder in prekären Verhältnissen arbeiteten, „brauchen jeden Euro für den Lebensunterhalt und können schon heute nicht ausreichend vorsorgen“. Die betriebliche Altersvorsorge gehe an den meisten dieser Menschen ohnehin vorbei. Kreikebohm warnte davor, private und betriebliche Vorsorge zulasten der gesetzlichen Rentenversicherung zu stärken.

Risikogruppen in den Arbeitsmarkt.

von Holger Spierig und Albrecht Scheuermann