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Deutschland / Welt ADAC rät von Diesel-Kauf ab
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt ADAC rät von Diesel-Kauf ab
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02:15 02.07.2017
Die neuen Diesel-Modelle Euro 6D, die ab Herbst auf den Markt kommen, könnten die Abgaswerte auch auf der Straße einhalten, sagen ADAC-Experten voraus.   Quelle: dpa
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Berlin

Mitten in der Debatte um hohe Abgaswerte und Fahrverbote raten die beiden führenden deutschen Automobilclubs vom Kauf von Diesel-Neuwagen ab. „Unsere Empfehlung ist, mit einem Neuwagenkauf eventuell noch zu warten, bis im Herbst Modelle mit dem Standard Euro 6D auf den Markt kommen“, sagte ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker der Wochenzeitung „Die Zeit“. Der konkurrierende Automobilclub von Deutschland (AvD) schloss sich der Empfehlung an: „Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte noch drei Monate warten, bis die neuen Modelle auf dem Markt sind“, sagte ein Sprecher der HAZ.

Die bisher angekündigten Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten betreffen zunächst einmal nur ältere Diesel mit der Schadstoffnorm Euro 4 oder 5. So will Stuttgart ab Januar 2018 bei Feinstaubalarm bestimmte Straßen für solche Autos sperren. Ähnliche Maßnahmen hat Hamburg angekündigt. München erwägt sogar flächendeckende Fahrverbote. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert inzwischen, auch Euro-6-Diesel aus den Innenstädten zu verbannen. Die Organisation hat 16 Städte verklagt, um diese zu schärferen Maßnahmen zur Luftreinhaltung zu zwingen.

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Im April ergaben Messungen des Umweltbundesamtes, dass auch die aktuellen Euro-6-Diesel auf der Straße deutlich dreckiger sind als im Labor. Sie emittieren durchschnittlich 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer. Der Labor-Grenzwert liegt bei 80 Milligramm.

Von September an müssen neue Dieselmodelle die neue Euro-6D-Norm erfüllen. Diese verlangt erstmals Messungen auf der Straße und enthält einen entsprechenden Grenzwert. Erste Messungen von Organisationen wie dem TÜV Nord haben gezeigt, dass moderne Diesel diese Hürde durchaus nehmen können.

Unterdessen verschärft sich die Debatte um die Nachrüstung älterer Modelle mit Euro-5-Norm: Die Autohersteller wollen deren Stickoxidemissionen durch Software-Updates reduzieren. So haben BMW und Audi angekündigt, Hunderttausende Diesel umzurüsten. Wenn alle Hersteller solche Maßnahmen durchführten, könnten die Emissionen der gesamten deutschen Euro-5-Flotte um 20 Prozent sinken, argumentieren die beiden Konzerne. Im Gegenzug erwarten sie, dass Euro-5-Besitzer von Fahrverboten verschont bleiben. Auch Volkswagen sprach sich gegenüber der HAZ für eine Software-Lösung aus, ohne konkrete Maßnahmen zu versprechen.

Aus Sicht des Bundesumweltministeriums können Software-Updates jedoch nur ein erster Schritt sein. „Als alleinige Maßnahme werden diese nicht ausreichen, um die Luftqualitätsvorgaben einzuhalten“, teilte das Ministerium mit. Die Autoindustrie müsse Euro-5- und Euro-6-Autos auf eigene Kosten wirksam verbessern und auch technische Umbauten anbieten.     

In diesen Städten droht ein Fahrverbot

In viele deutschen Städten wird derzeit über Fahrverbote für Diesel-Autos nachgedacht. Angeheizt wird die Diskussion von Klagen der Deutschen Umwelthilfe, weil vielerorts die Luftqualitätswerte überschritten werden. Eine Übersicht:

Stuttgart: Ab 2018 gelten bei Feinstaubalarm in Stuttgart verschärfte Regeln. Dann dürfen Dieselfahrzeuge, die nicht die Schadstoffklasse Euro 6 erreichen, bei Alarm nicht mehr in allen Stadtgebieten fahren. Allerdings gibt es an dieser Lösung viel Kritik: So wird erwartet, dass sich der Stuttgarter Gemeinderat am Donnerstag gegen die vom Land geplanten Fahrverbote ausspricht.

München: Auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat Überlegungen über ein Diesel-Fahrverbot in der Landeshauptstadt angestellt. Ganz freiwillig war das nicht: Der Bayrische Verwaltungsgerichtshof hat die Stadt und den Freistaat nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe dazu verdonnert. Käme Reiter mit seinen Plänen durch, könnte das je nach Auslegung des Fahrverbots auf unterschiedliche Schadstoffklassen das Aus für bis zu 170 000 Autos im Stadtgebiet bedeuten.

Hamburg: Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) möchte wegen der hohen Schadstoffbelastung ein 600 Meter langes Teilstück der Max-Brauer-Allee für Diesel-Autos und -Lastwagen unterhalb der Euro 6 Norm sperren. Gleiches gilt für Lkw auf einem rund 1,7 Kilometer langen Teilstück der Stresemannstraße. Wann das Verbot kommt, ist noch unklar. Es würde mehr als 70 Prozent aller in der Hansestadt zugelassenen Diesel-Fahrzeuge betreffen.

Düsseldorf: Die Stadt Düsseldorf muss bis spätestens Oktober 2017 die Schadstoffgrenzwerte für Dieselfahrzeuge einhalten – und dafür notfalls auch Fahrverbote verhängen. Dies entschied das Verwaltungsgericht Düsseldorf nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen das Land Nordrhein-Westfalen.

Von Christian Wölbert