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Deutschland / Welt Abgas-Skandal kostet VW 3,5 Milliarden Euro
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Abgas-Skandal kostet VW 3,5 Milliarden Euro
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00:18 31.10.2015
Von Stefan Winter
Quelle: dpa
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Wolfsburg

Vor einem Jahr hatte der Konzern noch 3 Milliarden Euro Gewinn gemacht, und diesmal wäre es mehr geworden – müsste VW nicht 6,7 Milliarden Euro beiseite legen, um den anstehenden Rückruf und die Nachbesserung der Dieselautos mit manipulierten Abgassystemen zu finanzieren. Das fraß den Gewinn aus dem überraschend gut laufenden Tagesgeschäft komplett auf.

Es dürfte nicht der letzte Schlag ins Kontor bleiben: Mögliche Strafen oder Schadensersatzforderungen könne man noch nicht abschätzen, sagte Vorstandschef Matthias Müller. Deshalb seien dafür noch keine Reserven gebildet worden. Hier lauern weitere Risiken im zweistelligen Milliardenbereich. Die Belastungen aus dem Dieselskandal seien „enorm, aber beherrschbar“, sagte der neue Finanzvorstand Frank Witter.

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Lesen Sie dazu auch den Kommentar.

Nach dem Verlustquartal erwartet der Konzern nun für das Gesamtjahr einen deutlich niedrigeren Gewinn, sieht bisher aber keine Anzeichen für den befürchteten Absatzeinbruch. Im dritten Quartal wurden 2,4 Millionen Autos verkauft, etwas weniger als ein Jahr zuvor. Die Produktion wurde allerdings bereits deutlicher gebremst. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 51,5 Milliarden Euro. Bisher litten die Bestellungen nur in einzelnen Märkten unter dem Skandal, sagte Vertriebschef Axel Kalthoff. Insgesamt sei die Entwicklung stabil, ohne dass höhere Rabatte gegeben würden als vorher. „Wir sind zufrieden.“

Die Zahlen zeigten die Auswirkungen des Skandals ebenso wie „die starke Substanz des Volkswagen-Konzerns“, sagte Müller. Ähnlich äußerte sich Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil (SPD).„Die Quartalszahlen von VW zeigen eine stabile Entwicklung. In Anbetracht der schwierigen Bedingungen, unter denen Volkswagen derzeit arbeitet, ist das erfreulich.“ Die weitere Entwicklung müsse man aber sorgfältig beobachten. Das Land und alle anderen Aktionäre werden sich wohl auf eine niedrigere Dividende einstellen müssen.

Müller kündigte ein Fünf-Punkte-Programm zum Umbau des Konzerns an, das in seinen Eckpunkten allerdings bereits bekannt war. Ganz oben steht Hilfe für die Kunden, die von der – wie es VW formuliert – „Dieselthematik“ betroffen sind. Auf Platz zwei folgt die Aufklärung der Ereignisse „in aller Konsequenz“. Außerdem will Müller Unternehmenskultur und Führungsverhalten neu ausrichten und die „Strategie 2018“ weiterentwickeln. Bisher sei zuviel Augenmerk auf schiere Größe gerichtet worden, sagte er. „Es geht nicht darum, 100 000 Fahrzeuge mehr oder weniger als ein großer Wettbewerber zu verkaufen.“

Als Konsequenz aus den Abgastricks von VW soll der Abgasausstoß insbesondere von Diesel-Autos künftig auf der Straße getestet werden. Darauf einigten sich gestern Experten der EU-Staaten.