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18:52 18.06.2014
Nach dem Zündschloss-Skandal nimmt der US-Kongress jetzt die GM-Chefin in die Zange. Quelle: dpa
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Washington

Die seit Jahresbeginn amtierende GM-Chefin Mary Barra muss sich im Zündschloss-Skandal die Frage nach ihrer eigenen Rolle gefallen lassen. Abgeordnete wollten am Mittwoch bei einer Kongressanhörung in Washington wissen, wie ein gefährlicher Defekt mehr als zehn Jahre lang ignoriert werden konnte. Bei Unfällen mit Kompaktwagen, die bei voller Fahrt ausgingen, starben nach GM-Angaben 13 Menschen. Verbraucherschützer gehen von mehr als 300 Toten aus.

Zwar habe ein GM-Bericht die Verfehlungen einzelner Mitarbeiter aufgeführt, jedoch habe der Bericht nicht geklärt, wer letztlich an der Spitze verantwortlich gewesen sei, sagte die Abgeordnete Diana DeGette. Sie merkte an, dass Barra vor ihrer Berufung zur Konzernchefin die Entwicklungsabteilung geleitet habe und damit auch zuständig für die Fahrzeugsicherheit gewesen sei. Auch wenn Barra selbst nichts gewusst habe, so seien Mitarbeiter informiert gewesen.

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Barra beharrte bei ihrem dritten Auftritt vor einem Kongressausschuss darauf, erstmals im Dezember vergangenen Jahres von den Problemen erfahren zu haben. „Das Topmanagement hatte kein Wissen von diesen Dingen.“ Im Januar dieses Jahres übernahm sie den Chefposten. Kurz darauf stieß sie eine Reihe von Rückrufen an, die mittlerweile 20 Millionen Wagen weltweit umfassen und den Opel-Mutterkonzern veranschlagte 2 Milliarden Dollar kosten werden.

Die Firmenkultur bei GM sei darauf ausgerichtet gewesen, dass niemand Verantwortung übernommen habe, sagte der Abgeordnete Fred Upton. „Das System hat versagt und Leute sind gestorben. Dies hätte vermieden werden können.“ Barra räumte Versäumnisse ein, erklärte aber, Maßnahmen ergriffen zu haben wie die Trennung von 15 Mitarbeitern. „Das war ein starkes Signal....Wir tun viel.“

Der Anwalt Anton Valukas hat im Auftrag von GM die Geschehnisse rund um die Zündschlösser in einem Bericht zusammengefasst und dabei das Topmanagement entlastet. Die Probleme waren seiner Ansicht nach nie zur Chefetage durchgedrungen. Bei 2,6 Millionen Kompaktwagen war der Schalter des Zündschlosses zu schwach ausgelegt, weshalb der Zündschlüssel während der Fahrt zurückspringen kann. Das schaltet nicht nur den Motor, sondern auch Bremskraftverstärker, Servolenkung und womöglich Airbags ab.

Schon zum Verkaufsstart 2003 gab es Hinweise auf Probleme mit den Zündschlössern, wie sich zwischenzeitlich herausstellte. Auf die Frage, warum es so lange bis zum Rückruf gedauert habe, antwortete Valukas: „Ich habe keine gute Antwort.“

Bei der Ausschusssitzung waren auch die Familien von Unfallopfern anwesend, die Fotos ihrer verstorbenen Angehörigen zeigten. Auf den Bildern waren vor allem Teenager zu sehen. Die fraglichen Kompaktwagen wie der Chevrolet Cobalt waren günstig und deshalb vor allem bei jungen Leuten beliebt. GM hat Entschädigungen versprochen, allerdings ist strittig, wer als Opfer der Zündschloss-Probleme anerkannt wird.

Die Rückrufwelle birgt für General Motors immer größere finanzielle Risiken. Die auf Verbraucherklagen spezialisierte US-Anwaltskanzlei Hagens Berman sieht die Marke GM derart beschädigt, dass der Wert aller Wagen des größten US-Autobauers gelitten habe. Hagen Bermanns will nun über eine Sammelklage mehr als 10 Milliarden Dollar (7,4 Mrd Euro) an Schadenersatz für Autobesitzer erstreiten, wie die Kanzlei am Mittwoch in Seattle ankündigte.

GM muss sich bereits mit einer Reihe von Klagen auseinandersetzen im Zusammenhang mit den defekten Zündschlössern, eingereicht von Unfallopfern oder den Besitzern der konkret betroffenen Wagen. Die neue Sammelklage würde die Zahl der möglicherweise Anspruchsberechtigten vervielfachen.

dpa

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