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Deutschland / Welt Abschied von den Überziehungszinsen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Abschied von den Überziehungszinsen
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22:12 19.06.2014
Von Albrecht Scheuermann
Die Hannoversche Volksbank gehört zu den Vorreitern: Das Geldinstitut hat die Überziehungszinsen beim Girokonto abgeschafft. Quelle: Surrey
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Hannover

Das Überziehen des Girokontos ist bislang ausgesprochen teuer: Immerhin werden oft noch 16 Prozent Zinsen oder mehr fällig, wenn ein Privatkunde die ihm eingeräumte Kreditlinie, den sogenannten Dispositionskredit, überschreitet. Dass derartig hohe Zinsen nicht zu den Mini-Vergütungen für Einlagen und Spargelder passen, meinen nicht nur Verbraucherschützer.

Zuletzt teilte die Volkswagen Bank mit, dass sie den Zinszuschlag für geduldete Kontoüberziehungen abschafft. Statt zuvor 13,28 Prozent verlangt die VW-Tochter nur noch 9,25 Prozent – egal ob der Dispo-Rahmen eingehalten wird oder nicht. „Diese Vereinfachung ist für uns ein wichtiger Schritt zu noch mehr Vertrauen zwischen den Verbrauchern und unserer Bank“, begründete Volkswagen-Bank-Geschäftsführer Torsten Zibell diesen Schritt. Zuvor hatten schon etliche andere Banken den Zinszuschlag für Kontokredite eingeebnet, so die beiden Direktbanken ING Diba und 1822 direkt, die Berliner Volksbank, die Sparda-Bank in Baden-Württemberg und einige kleinere Häuser.

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Auch in Hannover tut sich was. Für Privatkunden gelte inzwischen ein genereller Zins von 11,87 Prozent für Girokonten im Minus, erklärte ein Volksbank-Sprecher. Andere hannoversche Geldhäuser zieren sich jedoch noch – wie auch die Großbanken –, diesen Weg mitzugehen. Bei der Sparkasse Hannover hieß es gestern lediglich: „Kein Kommentar“. Bei ihr werden 16,11 Prozent für Kontoüberziehungen fällig, die über das Dispolimit hinausgehen; der Dispozins liegt dagegen bei 11,61 Prozent. Eine Sprecherin der Sparda-Bank Hannover erklärte: „Wir beobachten noch den Markt.“ Die Bank verlangt bei Überschreitung des Kreditlimits 15,21 Prozent statt 11,21 Prozent. Die günstigsten Konditionen haben Direktbanken. So verlangt die 1822 direkt, eine Tochter der Frankfurter Sparkasse, nur 7,74 Prozent Zinsen, bei der ING Diba sind es 8,25 Prozent – egal, ob es sich um einen Dispokredit oder eine geduldete Überziehung handelt.

Vorwürfe an die Adresse des Bankgewerbes wegen überhöhter Zinsen beziehen sich jedoch keineswegs nur auf die Überziehungen. Auch die Preisgestaltung für normale Dispokredite steht in der Kritik. Zinssätze von 12 und mehr Prozent gelten angesichts der fast schon mikroskopisch geringen Einlagenzinsen als nicht mehr zeitgemäß, zumal kürzlich die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf nur noch 0,15 Prozent gesenkt hat.

So verlangen die Grünen im Deutschen Bundestag eine Deckelung der Zinssätze. Die Bundesregierung will dagegen Banken und Sparkassen nur dazu verpflichten, Warnhinweise zu geben, wenn ein privates Girokonto ins Minus rutscht. Die Kunden sollen dabei auch auf günstigere Alternativen aufmerksam gemacht werden.

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