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Deutschland / Welt Abwrackprämie gut für Umweltschutz
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Abwrackprämie gut für Umweltschutz
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14:54 05.09.2009
Rund zwei Millionen Autos wurden durch Neuwagen ersetzt und verschrottet. Quelle: ddp (Archiv)
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Die Abwrackprämie bringt einer Studie zufolge mehr Nutzen für die Umwelt als von vielen Kritikern dargestellt. Spritverbrauch und CO2-Ausstoß der neuen Pkw lägen im Schnitt um rund 20 Prozent niedriger als bei den abgewrackten Fahrzeugen, teilte das Bundesumweltministerium am Samstag mit. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nannte es aber einen „Skandal“, dass es für den Kauf der Neuwagen keinerlei Umweltauflagen gab.

Die Studie des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU) ergab, dass der Ersatz der alten Fahrzeuge zu bedeutend geringeren Luftschadstoffemissionen führt. Demnach stoßen die Neuwagen im Schnitt 99 Prozent weniger Rußpartikel, 87 Prozent weniger Stickoxide und 74 Prozent weniger Kohlenmonoxid als die Altfahrzeuge aus. Der Austausch umweltschädlicher Pkw durch Neuwagen mit sehr niedrigen Emissionen wirkte sich demnach auf die Luftbelastung der Pkw-Flotte insgesamt aus.

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„Durch die Abwrackprämie stoßen alle deutschen Pkw zusammen genommen praktisch auf einen Schlag fast ein Zehntel weniger Benzol, fünf Prozent weniger Stickoxide und vier Prozent weniger Partikel aus“, erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin. Die Prämie habe zwar auch einen Anreiz gesetzt, funktionsfähige Pkw vorzeitig abzuwracken. Die neuen Fahrzeuge sind allerdings den alten Fahrzeugen in Umweltbelangen derart weit überlegen, dass sie eine “ökologische Restschuld“ aus einer vorzeitigen Verschrottung in weniger als einem Jahr abtragen würden, so Gabriel.

Die Studie wertete es zudem als Erfolg der Prämie, dass private Halter sich für kleinere und effizientere Autos entschieden hätten; deren Anteil betrug 85 Prozent an den Neuanschaffungen. „Diejenigen, die befürchtet haben, dass die Prämie zum Kauf von teuren Straßenkreuzern anreizt, haben das Portemonnaie der Menschen überschätzt und ihr Umweltbewusstsein unterschätzt“, erklärte Gabriel. „Die Leute haben hauptsächlich Kleinwagen und Kompaktklasse gekauft. Und die abgewrackten Vehikel gehörten im Durchschnitt größeren Fahrzeugklassen an als die Neuwagen.“

Nach Ansicht des VCD hätte der Umwelteffekt durch die per Prämie geförderten Neuwagen deutlich größer sein können. Da die Abwrackprämie an keinerlei Umweltauflagen geknüpft war, seien die 2500 Euro beispielsweise auch für einen Billigdiesel ohne Rußpartikelfilter gezahlt worden. „Insgesamt hätte beim Einsatz von fünf Milliarden Euro für die Umwelt und für die Konjunktur viel mehr erreicht werden müssen“, erklärte der VCD-Bundesvorsitzende Michael Gehrmann in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss eine Fortsetzung der Abwrackprämie erneut aus. „Die Umweltprämie wird nicht verlängert“, sagte sie dem „Münchner Merkur“ vom Samstag. Zwar sei das staatliche Förderprogramm angesichts der Wirtschaftskrise richtig gewesen, „um die Nachfrage in Deutschland zu stärken, als der Export total zusammenbrach“. Inzwischen habe sich die Lage jedoch verbessert. „Wir beobachten jetzt, dass die Konjunkturpakete in Europa ihre Wirkung entfalten und der Export langsam wieder anzieht“, sagte Merkel.

Am Mittwoch hatte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mitgeteilt, dass rund sieben Monate nach Einführung der Abwrackprämie der Fördertopf mit fünf Milliarden Euro leer sei. Die Behörde richtete aber eine Warteliste für Prämien-Nachrücker mit 15.000 Plätzen ein.

afp