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Deutschland / Welt Ackermann-Nachfolge weiter unklar
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Ackermann-Nachfolge weiter unklar
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21:48 26.05.2011
Josef Ackermanns Vertrag läuft zwar noch zwei Jahre, doch da ein früherer Rückzug möglich scheint, ist die Diskussion über den nächsten Spitzenmann in voller Fahrt. Quelle: dpa
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Die Rede von Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann auf der Hauptversammlung des Konzerns hat gerade begonnen, als ein Gast vor der Tribüne mit dem Transparent „Deutsche Bank: Sofort stilllegen“ gegen das Engagement im Kernkraftgeschäft demonstriert. Doch das Transparent ist nur einige Sekunden zu sehen, bis gleich ein halbes Dutzend muskelbepackter Anzugträger den Mann mit der Trillerpfeife aus der Frankfurter Festhalle bringt.

Energiepolitik und Streubomben, Frauenquote und Nachfolgedebatte – es fehlt nicht an kontroversen Themen, doch die Geschäftsentwicklung gehört in diesem Jahr nicht dazu. Der Gewinn von 4 Milliarden Euro vor Steuern – und vor allem die ausgeschüttete Dividende von 0,75 Euro je Aktie – haben die meisten Anleger zufrieden gestimmt. Die Klagewelle deutscher Mittelständler wegen umstrittener Zinsgeschäfte der Bank wird zwar von Aktionärsvertretern angesprochen, ebenso der umstrittene Umgang mit Immobilienbesitzern in den USA. Doch der selbstbewusst auftretende Ackermann lässt sich davon nicht beirren, auch wenn er betont, dass die Bank keine Geschäfte eingehen wolle, die ihrem Ruf schaden könnten.

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Der Konzernchef erhebt die Stimme und den Finger, wohl auch in Richtung des mit der Deutschen Bank in einer Dauerfehde liegenden ehemaligen Medienunternehmers Leo Kirch, als er sagt: „Wo wir uns zu Unrecht angegriffen sehen, werden wir uns mit allen gebotenen Mitteln zur Wehr setzen.“ Und den etwa 20 Mittelständlern, die sich mit Zinsgeschäften verspekuliert haben und Schadensersatz wegen Falschberatung fordern, gibt er später einen mit: „Solange es ein Gewinn war, haben es die Leute sehr wohl verstanden gehabt.“ Einem hessischen Anleger mit Verlust hat der Bundesgerichtshof gerade Schadensersatz zugesprochen.

Zum meistdiskutierten Thema kann Ackermann selbst allerdings nicht viel sagen – die Wahl seines Nachfolgers ist Sache des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig. Ackermanns Vertrag läuft zwar noch zwei Jahre, doch da ein früherer Rückzug möglich scheint, ist die Diskussion über den nächsten Spitzenmann in voller Fahrt. Börsig, der schon mehrmals Kritik wegen seiner mühsamen Nachfolgersuche einstecken musste, spricht von einem „strukturierten Prozess“, in den „Herr Doktor Ackermann natürlich voll eingebunden“ sei – wohl wissend, dass das Verhältnis zwischen beiden gerade in dieser Frage als zerrüttet gilt.

Eine Entscheidung werde der Aufsichtsrat „zu gegebener Zeit treffen und unverzüglich mitteilen“, sagt Börsig und klammert sich damit an regelmäßig verwendete Floskeln. Mehr Informationen gibt es nicht, obwohl sich etwa ein Berater verschiedener Pensionsfonds direkt vor der Hauptversammlung in einem offenen Brief über das Verfahren zur Nachfolgersuche beklagt hat. Auch in der Hauptversammlung hält die Kritik an. Klaus Nieding vom Aktionärsverein DSW fordert von Börsig „endlich eine offene Kommunikation“. Die Suche des Aufsichtsrats kann er allerdings auch nicht erleichtern. Mit Blick auf die diversen Nachfolgekandidaten von Investmentbanker Anshu Jain bis zum früheren Bundesbank-Präsidenten Axel Weber, sagt Nieding: „Könnten wir uns einen Kandidaten backen, hätte er von jedem etwas.“

Ackermann erneuert sein Versprechen, in diesem Jahr einen Gewinn in Höhe von 10 Milliarden Euro vor Steuern zu erzielen. Dass der Aktienkurs auf dem Niveau von vor zwei Jahren dümpelt, führt er auf die europäische Staatsschuldenkrise zurück. Sobald die Zahlungsfähigkeit Griechenlands oder Portugals angezweifelt werde, gingen Banktitel in die Knie. Eine Krise des Euro gebe es aber nicht. Die Währung stehe gut da und habe sich in der Krise als überaus vorteilhaft erwiesen.

Martin Dowideit