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Deutschland / Welt Apotheker fordern sattes Plus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Apotheker fordern sattes Plus
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19:21 29.03.2012
Von Jens Heitmann
Foto: Die Apotheker leiden unter den Sparbemühungen im Gesundheitswesen.
Die Apotheker leiden unter den Sparbemühungen im Gesundheitswesen. Quelle: dpa
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Hannover

Gemessen an den 134.015 Mitzeichnern, die sich gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten sperren, wirken die 205 Eingaben von Apothekern an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages geradezu spärlich - anderseits haben die Pharmazeuten trotz eher kleiner Kopfzahl in Berlin schon öfter eine große Wirkung erzielt. Neben Bauern, der Solarwirtschaft und der Pharmaindustrie stehen insbesondere die Apotheker im Ruf einer ertragreichen Lobbyarbeit.

Im konkreten Fall geht es um die finanziellen Einbußen, die das 2011 in Kraft getretene Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (Amnog) neben anderen auch den Apotheken beschert. Während niedergelassene Ärzte sich über stetig steigende Einkünfte freuen könnten, werde die eigene Zunft nur belastet, heißt es in der Petition des Apothekers Uwe Künzler aus dem mecklenburgischen Ludwigslust. Durch die Rabattverträge der Krankenkassen mit den Arzneimittelherstellern habe sich hingegen der Arbeitsaufwand noch deutlich erhöht. „Das heißt: Die Apotheken wurden für größere Leistungen (...) wirtschaftlich schlechter gestellt.“ Inzwischen liegt die Petition Künzlers dem zuständigen Bundestagsausschuss in mehr als 200-facher Form vor - viele Kollegen haben den Inhalt einfach kopiert.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) malt die Lage der Zunft in dunklen Farben. „Jede Woche schließen in Deutschland acht Apotheken - und nur vier machen neu auf“, klagt ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf. Mit 21.238 Filialen habe die Zahl der Apotheken hierzulande den niedrigsten Stand seit anderthalb Jahrzehnten erreicht. Ein Blick in die Statistik zeigt allerdings auch, dass es heute bundesweit nur 67 Apotheken weniger gibt als im Jahr 2003. Dennoch sieht die Lobby mancherorts, insbesondere auf dem Lande, bereits die Qualität der Versorgung gefährdet.

Verantwortlich für den vermeintlichen Niedergang sei „die Entkopplung der Ertragssituation der Apotheker von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung“, betont der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker. Die Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung seien zwischen 2001 und 2011 um 35 Prozent gestiegen, die gleichen Zuwächse sähe man bei den Kosten für die Krankenhausbehandlung und den Honoraren der Ärzte: „Das Apothekerhonorar hingegen weist im gleichen Zeitraum ein Plus von mageren 2,4 Prozent auf.“

Nach Berechnungen der Treuhand Hannover ist die Umsatzrendite einer Apotheke im vergangenen Jahr von 5,8 auf 4,6 Prozent des Nettoumsatzes gesunken. Bei einer typischen Apotheke bedeute das ein Betriebsergebnis vor Steuern von 65.000 Euro, nach Abzug der Beiträge zum Versorgungswerk und zur Krankenversicherung stünden dem Inhaber noch 33.000 Euro zu Verfügung - 6000 Euro weniger als 2010.

Das wollen die Apotheker nicht länger hinnehmen. Ihr Forderungskatalog an den Gesetzgeber läuft zusammengerechnet auf ein Honorarplus von 624 Millionen Euro hinaus - das wären knapp 30.000 Euro pro Apotheke. Das löst nicht nur im Petitionsausschuss Schmunzeln aus. Man wisse ja, dass man den Apothekern viel zugemutet habe, sagt etwa der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn. Aber die Lobby müsse angesichts der Fülle ihrer Wünsche aufpassen, dass sie nicht zu viele Bälle in der Luft habe: „Sonst liegen nachher alle am Boden, und das Gejammer ist groß.“

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