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Deutschland / Welt Apple stellt Tablet-Computer „iPad“ vor
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Apple stellt Tablet-Computer „iPad“ vor
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13:28 28.01.2010
Apple-Chef Steve Jobs bei der Präsentation in San Francisco.
Apple-Chef Steve Jobs bei der Präsentation in San Francisco. Quelle: dpa
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Viele sind sich sicher: Es wird klappen. Der „iPad“, wie der Apple-Chef die neue Gerätegattung taufte, wird Buchersatz, Sofasurfmaschine, Kleinfernseher, Telefon, Spielkonsole und Kommunikationscenter in einem – ein besonders flaches digitales Gerät, das die meiste Zeit seiner Nutzung ohne Kabelschnickschnack auskommt, sich per Finger so intuitiv wie das iPhone bedienen lässt und zahlreiche weitere Anwendungen im Haushalt ermöglicht – sei es etwa zur Steuerung des Videorekorders.

Mit dem iPhone hat Apple den Mobilfunkmarkt auf den Kopf gestellt und sich zum umsatzstärksten Handyhersteller entwickelt. Nun will der kalifornische Elektronikkonzern mit dem neuen Tablet-Computer namens „iPad“ diesen Erfolg wiederholen.  

Das iPad soll eine neue Kulturtechnik in den Alltag befördern: die digitalen Dinge des Lebens so zu erledigen, dass man sich dafür nicht ins Arbeitszimmer oder in die Genickstarre vor einem Laptop zurückziehen muss. Wie Jobs lässig in seiner Darstellung verdeutlichte, leistet das iPad Hilfestellung beim Herumlümmeln auf dem Sofa. Ein 9,7 Zoll kleiner Monitor, anderthalb Pfund leicht, viermal größer als ein iPhone, wird so zur Surfzentrale für zu Hause. Das iPad wird in den USA zu Preisen von 499 Dollar (350 Euro) angeboten. Nach Europa soll es im Juni kommen. Die teuerste Variante mit UMTS-Modem und 64 Gigabyte Hauptspeicher soll 829 Dollar (610 Euro) kosten. Die ersten Geräte mit drahtlosem Internet (WiFi) sollen in zwei Monaten verfügbar sein, die UMTS-Variante soll in 90 Tagen auf den Markt kommen.

 Für das iPad erweitert Apple seinen Onlineladen iTunes um eine Buchabteilung „iBooks“, in der Titel der Großverlage Penguin, HarperCollins, Simon & Schuster, Macmillan sowie Hachette angeboten werden. Apple tritt damit gegen E-Book-Anbieter wie Amazon („Kindle“) oder Sony an. Wie das iPhone kann das iPad aus dem iTunes Store von Apple außerdem mit Videos, Musik und kleinen Programmen („Apps“) bestückt werden. Für das iPhone sind nach den Worten von Jobs inzwischen mehr als 140 000 Anwendungen verfügbar. Die iPhone-Apps sollen auch auf dem iPad laufen. „Das wird einen neuen Goldrausch für Entwickler auslösen“, sagte Jobs. Die „New York Times“ kündigte in San Francisco eine eigens für das iPad optimierte Anwendung an – wie so viele Zeitungen derzeit an eigenen Programmen für das neue Lesegerät arbeiten.

 Das iPad wird wie das iPhone mit Fingergesten auf einem berührungssensitiven Bildschirm gesteuert. Im Gegensatz zu ultraleichten Laptops verfügt der Tafelcomputer nicht über eine Hardware-Tastatur. Texte werden wie beim Apple-Handy iPhone über virtuelle Tasten auf dem Display eingegeben. Passend zum iPad wird Apple eine Variante des Office-Pakets „iWork“ auf den Markt bringen, das aus einer Textverarbeitung, Tabellenkalkulation sowie einem Präsentationsprogramm besteht. Die drei iWorks-Anwendungen werden für jeweils zehn Dollar im iTunes-Store verkauft.

Alle iPad-Modelle werden mit einer drahtlosen Internetverbindung (WiFi) angeboten, einige Modelle auch mit einem Mobilfunkmodem (UMTS). Wie beim iPhone werden die UMTS-Modelle des iPad zusammen mit dem Provider AT&T vertrieben. Im Gegensatz zum iPhone sperren Apple und AT&T aber andere Provider nicht aus, sondern bieten das Gerät ohne „Netlock“ an.

Der Präsentation war eine beispiellose Werbekampagne im Internet vorangegangen, die offensichtlich jedoch nicht von Apple selbst, sondern von regelrechten Fans des Unternehmens getragen wurde. Zusätzlich basieren die Hoffnungen gleich mehrerer Branchen auf das „Händchen“ von Apple, digitale Inhalte nutzergerecht und leicht bedienbar aufzubereiten: Zeitungsverleger, Magazinherausgeber und Buchautoren in aller Welt beobachten mit Argwohn die sich derzeit massiv ändernden Lesegewohnheiten vieler Kunden. Übers Handy und den PC greifen viele Nutzer immer häufiger zu Inhalten aus dem Internet. Bald sollen sie dies nach Meinung Apples über das iPad machen.

Praktisch nebenbei hatte das Unternehmen aus Cupertino schon zuvor die komplette Musikindustrie umgekrempelt: Damals, als die großen Musikvertriebe sich mit Raubkopien aus dem Internet herumschlugen, erfand Apple im Jahr 2001 mit dem iPod eine einfache Kaufmöglichkeit für Musik in einem Internetverkaufsshop – und konnte die teils dramatischen Verluste der Musiker zumindest eindämmen. Der Grund: Apple gelang es, den Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn die Angebote nur simpel genug zu bedienen seien, so das Kalkül, würden die Nutzer durchaus dazu bereit sein, für einzelne Dinge wie etwa eine Musikaufnahme als MP3-Datei zu bezahlen. Gleiches, so die Vorstellung vieler Verleger, könnte nun mit Zeitungs- und Zeitschrifteninhalten geschehen.