Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Arbeitgeber suchen Pflegekräfte in Indien
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Arbeitgeber suchen Pflegekräfte in Indien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:16 18.08.2011
Von Gabi Stief
In Seniorenheimen werden Pflegekräfte knapp. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Angesichts des dramatischen Nachwuchsmangels in der Altenpflege wird der Ruf nach einer Ausbildungsumlage lauter: Der Arbeitgeberverband der privaten Pflegeanbieter forderte gestern in Berlin die Länder auf, die gesetzlichen Grundlagen für eine verpflichtende Ausbildungsabgabe in der Pflegebranche zu schaffen. Zugleich kündigte der Verband an, verstärkt in Indien und China Pflegefachkräfte anzuwerben, um den steigenden Personalbedarf in den nächsten Jahren zu decken.

Bislang waren es vor allem die privaten Pflegeheime und ambulanten Dienste, die sich gegen eine branchenweite Finanzierung der Ausbildungskosten stemmen. Die Kurswende begründete der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Pflege, Thomas Greiner, am Mittwoch mit dem Hinweis auf Länder wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, in denen eine Ausbildungsumlage bereits praktiziert wird. „Dort steigt die Zahl der Ausbildungsverträge“, sagte Greiner. Seitdem die saarländische Regierung ebenfalls eine entsprechende Regelung angekündigt habe, seien bereits 20 Prozent mehr Verträge abgeschlossen worden.

Anzeige

In anderen Ländern wie Niedersachsen ist es üblich, dass die Ausbildungskosten von den Pflegeheimen übernommen werden, die selbst ausbilden – mit Beteiligung der Auszubildenden, die in der Regel Schulgeld zahlen. Pflegeverbandschef Greiner hält diesen Zustand für nicht mehr haltbar. „Es kann nicht sein, dass nur wenige ausbilden und die anderen sich anschließend die Fachkräfte, die sie brauchen, rauspicken“, sagte er gestern.

Es fehlt an Fachkräften

Eine Untersuchung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), die die Pflege-Arbeitgeber vorstellten, unterstreicht, wie groß der Bedarf an Fachkräften in den nächsten Jahren ist. Danach werden bis zum Jahr 2020 in den Heimen und Pflegediensten zusätzlich 175.000 Mitarbeiter gebraucht werden, davon 75.000 ausgebildete Pflegekräfte. Die Suche nach Hilfskräften sei unproblematisch, sagte Greiner. Es fehle aber an Fachkräften. Mit der chinesischen und der indischen Botschaft habe man bereits Kontakt aufgenommen, um Mitarbeiter anzuwerben. Der Verband will sich auch in Spanien und Griechenland umschauen, um unter arbeitslosen Jugendlichen Ausbildungswillige nach Deutschland zu locken.

Greiner sagte, es gehe nicht darum, angesichts der steigenden Zahl von Pflegebedürftigen „Horrorszenarien“ zu zeichnen, sondern die Herausforderungen anzunehmen. Eine weitere Forderung des Verbands ist die Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse. Bis heute sei es nicht möglich, eine studierte Pflegefachkraft aus Polen in einem deutschen Heim einzustellen, kritisierte Greiner.