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Deutschland / Welt Chance für Arbeitnehmer: Staat bezahlt die Weiterbildung
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Chance für Arbeitnehmer: Staat bezahlt die Weiterbildung
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15:47 23.12.2018
Die Digitalisierung betrifft immer mehr Arbeitnehmer
Die Digitalisierung betrifft immer mehr Arbeitnehmer Quelle: dpa
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Hannover

Ein neues Gesetz bietet Arbeitnehmern die Chance auf eine staatlich geförderte Weiterbildung. Am 1. Januar tritt das sogenannte Qualifizierungschancengesetz in Kraft, das hohe Zuschüsse vorsieht. Angestellten von kleinen Firmen bezahlt der Staat die Kurse sogar komplett.

Grund sei der digitale Wandel der Arbeitswelt, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) unlängst bei der Vorstellung des Gesetzes. Zum Beispiel müssten Dachdecker künftig auch Drohnen steuern können, Konstrukteure sich mit 3-D-Druckern vertraut machen und Büroangestellte mit künstlicher Intelligenz umgehen.

Zuständig für die Förderung ist die Bundesagentur für Arbeit. „Digitalisierung und demografischer Wandel beschleunigen die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. „Einerseits fallen Tätigkeiten durch Automatisierung weg, andererseits entstehen durch neue Technologien neue Tätigkeiten.“ Weiterbildung werde deshalb immer wichtiger.

Für Arbeitnehmer sind die neuen Regeln allerdings nicht leicht zu überblicken. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

An wen richtet sich das neue Gesetz?

In erster Linie an Arbeitnehmer, deren Tätigkeiten „zumindest teilweise durch Digitalisierungs- oder Automatisierungsprozesse betroffen sind“, erklärt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Es geht also um Menschen, deren Aufgaben schon heute oder in einigen Jahren zum Teil von Robotern oder Computern übernommen werden könnten.

Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gilt das vor allem für die Bereiche Fertigung, Logistik und Dienstleistungen – also zum Beispiel Fließbandarbeiter, Lkw-Fahrer oder Sachbearbeiter in Versicherungen und Banken. Auf einer Webseite des IAB (job-futuromat.iab.de) kann man nachschlagen, wie stark die Konkurrenz durch Technik im eigenen Beruf ist. Für die persönliche Beratung sind die örtlichen Arbeitsagenturen zuständig.

Welche Fortbildungen sind möglich?

Die Bundesagentur für Arbeit soll Fortbildungen im erlernten Beruf fördern, aber auch Umschulungen. Letzteres gilt insbesondere dann, wenn gesundheitliche Gründe dafür sprechen oder der erlernte Beruf künftig nur noch schlechte Job-Chancen bietet. Ein Argument für eine Förderung ist auch der Wechsel in einen Beruf mit Fachkräftemangel, zum Beispiel in die Pflege. Grundsätzlich muss jeder Kurs mindestens 160 Stunden dauern, was vier Wochen Vollzeit-Unterricht entspricht.

Wo findet man Kurse?

Einen Überblick bietet „Kursnet“, eine Online-Datenbank der Bundesagentur für Arbeit. Dort kann man Tausende Weiterbildungen nach Stichworten und Orten durchsuchen. Gefördert werden nur Kurse von zertifizierten Anbietern – auch nach diesem Kriterium kann man das Angebot filtern.

Welche Rolle spielt der Arbeitgeber?

Wer die Fortbildung in der Arbeitszeit absolvieren will, muss sich zuerst mit dem Arbeitgeber einigen. Dieser muss nicht nur zustimmen, sondern auch einen Teil der Kosten übernehmen. Unternehmen mit zehn bis 249 Angestellten müssen die Hälfte der Kursgebühr tragen, größere Firmen drei Viertel. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt den Rest der Kursgebühr und erstattet dem Arbeitgeber obendrein einen Teil des Gehalts des Arbeitnehmers.

Hat die Firma weniger als zehn Mitarbeiter, zahlt die Arbeitsagentur die Fortbildung sogar zu 100 Prozent. Gleiches gilt, wenn der Arbeitnehmer älter als 45 Jahre ist und die Firma maximal 249 Angestellte hat. Wer sich in seiner Freizeit weiterbilden will, wird unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls gefördert.

Von Christian Wölbert