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Deutschland / Welt „Die Stimmung fängt an zu kippen“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt „Die Stimmung fängt an zu kippen“
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08:47 07.01.2014
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Derzeit gibt es viele Unzufriedene in den Logistikzentren des Onlinehändlers Amazon. Da sind diejenigen, die schon diverse Streiktage hinter sich gebracht haben, weil sie nach Versandhandelstarif entlohnt werden wollen. Da sind aber auch die anderen, die sich gegen den von der Gewerkschaft ver.di angestoßenen Arbeitskampf wehren – erst mit einer Unterschriftenaktion, jetzt mit T-Shirts mit der Aufschrift: „Pro Amazon“.

„Ich bin es leid, mich immer dafür entschuldigen zu müssen, dass wir bei Amazon arbeiten“, sagt Sandra Münch, die die T-Shirt-Aktion mit ins Leben gerufen hat. Die 43-Jährige ist seit der Eröffnung 2006 im Leipziger Versandzentrum beschäftigt, derzeit in der Inventurabteilung. „Ich bin von Anfang an dabei und arbeite gern hier. Und es stimmt einfach nicht, dass die Arbeitsbedingungen schlecht sind.“ Dem negativen Bild, das in der Öffentlichkeit von Amazon gezeichnet werde, wolle man daher etwas entgegensetzen – auf eigene Kosten. „Wir wollen zeigen, dass wir hinter Amazon stehen.“

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Betriebsrat fürchtet Spaltung

Münch gehörte schon im Dezember zu dem Kreis, der in Leipzig eine Unterschriftensammlung gegen den ver.di-Streik organisierte. 718 Unterschriften wurden kurz vor Weihnachten an Standortleiter Dietmar Jüngling übergeben. Weitere 300 Unterschriften kamen in Bad Hersfeld zusammen.

Die Gewerkschaft geht davon aus, dass die Aktion von der Geschäftsleitung gesteuert wurde. „Die Unterschriften wurden unter Aufsicht des Managements eingeholt“, so eine ver.di-Sprecherin. Zudem sei die Aktion bewusst in der Vorweihnachtszeit gestartet worden – als allein in Leipzig 3000 Saisonkräfte im Einsatz waren. „Einige haben sicher gehofft, aufgrund der Unterschrift weiterbeschäftigt zu werden.“ Amazon wies die Darstellung zurück. Die Unterschriftenaktion sei ausschließlich von den Mitarbeitern selbst ausgegangen.

Der Betriebsrat befürchtet inzwischen eine Spaltung innerhalb der Belegschaft. „Das ist eine schwierige Situation“, sagt Falk Nitsche, Betriebsrat in Leipzig. „Auf der einen Seite die Kollegen, die draußen streiken, auf der anderen Seite viele hier drinnen, die damit nicht einverstanden sind. Das führt zu Spannungen. Und die Stimmung fängt gerade an zu kippen.“

Die Gewerkschaft ver.di fordert bei Amazon eine Bezahlung nach dem Versandhandelstarif. Amazon lehnt das ab – und sieht sich nicht als Einzelhändler, sondern als Logistiker. Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, hält dies für eine „fadenscheinige Begründung“ – mit nur einem Ziel: die Löhne niedrig zu halten. Um Druck zu machen, hat ver.di seit Mai in Leipzig und Bad Hersfeld immer wieder zu befristeten Streiks aufgerufen, zuletzt in der gesamten Woche vor Weihnachten.

Von Gina Apitz und Frank Johannsen

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