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Deutschland / Welt Athen schickt die Kurse in den Keller
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Athen schickt die Kurse in den Keller
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21:17 01.11.2011
Was will er jetzt wieder? Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hält die Börsianer auf Trab. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

In Frankfurt rauschte der Dax zwischenzeitlich um mehr als 6 Prozent in die Tiefe und schloss schließlich mit einem Minus von 5 Prozent bei 5834,51 Punkten. Aus Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone flüchteten viele Anleger auch aus dem Euro, der mit 1,36 Dollar so niedrig wie seit rund drei Wochen nicht mehr notierte.

An der Wall Street, die schon am Montagabend mit einem Kursrutsch auf die Nachricht aus Athen reagiert hatte, fielen die großen Indizes nochmals. „Der Markt hat mit diesem Referendum nicht gerechnet, das letztlich dem ganzen Rettungsplan für die Euro-Zone den Boden unter den Füßen wegziehen könnte“, erklärte ein US-Börsianer. Enttäuschende US-Konjunkturdaten erhöhten zeitweise den Druck auf die Kurse.

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Der deutsche Leitindex Dax hat nunmehr einen großen Teil seiner Gewinne aus dem Vormonat wieder abgegeben. Der europäische Bankenindex brach um bis zu 7,7 Prozent ein. Dabei hatte der Index im Oktober noch 6 Prozent gewonnen, denn die Euphorie über die EU-Gipfelbeschlüsse hatte vor allem den Bankenwerten auf die Beine geholfen. Die stark in Griechenland engagierten französischen Institute Société Générale und BNP Paribas verloren bis zu 19 Prozent. Deutsche Bank und Commerzbank büßten zwischenzeitlich bis zu 12 Prozent ein, erholten sich dann aber etwas.

Noch am Freitag hatte die Einigung der Europäer auf Grundzüge für einen Schuldenschnitt Griechenlands und eine Hebelung des EFSF-Rettungsfonds den Dax in der Spitze auf über 6400 Punkte gehievt. Experten fürchten, dass nun wichtige Detailverhandlungen im Nachgang zu den Gipfelbeschlüssen zumindest auf Eis gelegt sind.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte eindringlich vor den Folgen eines griechischen „Nein“. Dadurch und durch einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone würde die Ansteckungsgefahr für andere Krisenländer wie Portugal, Spanien oder Italien steigen. „Wir könnten letztlich den Anfang vom Ende der Euro-Zone sehen, wie wir sie kennen: die Einführung eines Kern-Euro oder noch schlimmer die Wiedereinführung nationaler Währungen in der gesamten Euro-Zone“, erklärte Andreas Utermann, Chef-Investmentstratege bei Allianz Global Investors.

Die Unsicherheit trieb viele Anleger in deutsche Bundesanleihen, die für die gesamte Euro-Zone als richtungsweisend gelten. Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihen sprang auf 104,31 Punkte, was die Rendite von 2,03 Prozent am Montagabend auf nunmehr 1,77 Prozent drückte. Dadurch wird für die Bundesregierung die Refinanzierung günstiger. Dagegen kletterten die Renditen der zweijährigen griechischen Anleihen auf den Rekordwert von mehr als 100 Prozent. Auch die Renditen der italienischen Papiere sprangen kräftig hoch: auf 6,34 von 6,04 Prozent am Vorabend. Börsianern zufolge kaufte die Europäische Zentralbank italienische und auch spanische Anleihen, um einen weiteren Anstieg der Renditen zu verhindern.

Hakan Ersen

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