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Deutschland / Welt Attacke auf Tanker alarmiert deutsche Reedereien: Umfahren Containerschiffe bald den Golf?
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Attacke auf Tanker alarmiert deutsche Reedereien: Umfahren Schiffe bald den Golf?

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15:42 15.06.2019
Die Containerschiff Eugen Maersk (l) der dänischen Reederei Maersk am Containerterminal Eurogate und den Containerschiffen Frankfurt Express (r) der Reederei Hapag-Lloyd hinter der Cap San Raphael der Reederei Hamburg-Süd in Hamburg. Quelle: dpa
Hamburg

Die Zahl der Schiffe wächst und wächst. 57.000 Seeschiffe mit einer Vermessung von mehr als 500 BRZ zeigt das European Quality Shipping Information System an. Die als Equasis abgekürzte Datenbank gibt Aufschluss über Kontrollen und Daten der Schiffe. Mit dabei sind auch die 303 Handelsschiffe unter deutscher Flagge, die das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie aktuell im deutschen Register hat. Weitere 1758 Schiffe deutscher Reeder fahren unter ausländischen Flaggen.

Mit 237 Containerschiffen ist die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd der aktuell größte deutsche Schifffahrtskonzern. Weltweit ist seit 2016 die Flotte der Fracht-, Tank- und Passagierschiffe von 51.405 auf 53.045 gestiegen. Die übrigen Einheiten sind große Forschungsschiffe und Behördenschiffe. Die Zahl der Containerschiffe kletterte seit 2016 von 5097 auf heute 6103 Einheiten, wie die Datenbank des Informationsdienstes Alphaliner ausweist. Besonders die Zahl großer Mega-Carrier mit Kapazitäten von über 10.000 TEU (Standard-Containern) steigt deutlich. 550 dieser Kolosse sind auf den Weltmeeren unterwegs.

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Ereignisse vom Donnerstag haben auch Hamburg alarmiert

Der Golf von Oman ist dabei eine der Hauptschlagadern der Seefahrt. Die Schifffahrtslinie zwischen Asien und Europa kreuzt dieses Revier. Der Persische Golf ist außerdem auch zur Drehscheibe des Containerhandels aufgestiegen. Mit Jebel Ali in Dubai liegt auch einer der zehn größten Containerhäfen im Golf. Fast 15 Millionen Container wurden dort 2018 umgeschlagen. Hamburg liegt mit 8,6 Millionen TEU gerade mal auf Platz 18.

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All diese Containerschiffe müssen durch die Straße von Hormus. Deshalb ist man auch bei deutschen Reedern alarmiert. „Von 121 Diensten weltweit haben wir zwölf Dienste, die regelmäßig durch die Straße von Hormus fahren und zum Beispiel Jebel Ali in Dubai anlaufen“, teilt Reederei-Sprecher Tim Seifert mit. Die Ereignisse vom Donnerstag haben auch die Zentrale in Hamburg alarmiert. „Wir beobachten und bewerten die Sicherheitslage kontinuierlich und werden bei Bedarf auch unseren Schiffsbetrieb anpassen“, heißt es. Übersetzt: Wenn sich die Lage zuspitzt, wird der Verkehr nach Indien oder ins Mittelmeer umgeleitet.

Konvoi-Fahrten gegen Eindämmung der Piraterie

„Handelsschiffe sind nicht gegen Angriffe mit militärischen Mitteln wie Torpedos oder Minen geschützt“, sagt Christian Denso vom Verband Deutscher Reeder. Wenn, so wie im Fall der beiden Tanker, Haftminen an Bordwänden befestigt werden, kann eine Besatzung nur reagieren und sich in Sicherheit bringen. „Gegen solche Angriffe hilft nur verstärkte Wachsamkeit“, so Denso. Die Bauweise der modernen Doppelhüllentanker zeigt aber auch hier Wirkung. Der eine Tanker geriet Dank der Doppelhülle nicht in Brand.

Konkrete Empfehlungen hat der Verband an seine Mitglieder aber noch nicht herausgegeben. „Dafür ist es noch zu früh. Wir warten zunächst Ergebnisse der Behörden ab“, so Denso. In Bahrain beim dortigen Hauptquartier der 5. US Flotte werden derweil Konvoi-Fahrten geplant. Dabei können sich Schiffe an einem Treffpunkt einfinden und werden dann mit Kriegsschiffen durch das Gebiet geleitet. Derartige Maßnahmen haben 2009 und 2010 auch am Horn von Afrika zu einer Eindämmung der Piraterie geführt.

Eine Botschaft ist deutlich. Die Straße von Hormus muss offen bleiben. Aus Katar kommen fast 30 Prozent der Flüssigerdgas-Transporte der Welt. Mit dem saudischen Safaniya Ölfeld ist das größte Offshore-Ölfeld der Welt im Golf. 1,2 Millionen Barrel Rohöl werden dort pro Tag gefördert.

Von Frank Behling

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