Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Auch Bauern fordern Staatshilfe
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Auch Bauern fordern Staatshilfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:36 09.01.2009
Bauernpräsident Gerd Sonnleitner Quelle: Michael Thomas
Anzeige

„Wir fordern Gleichbehandlung“, sagte Gerd Sonnleitner am Donnerstag dieser Zeitung. Die Bauern verstünden die Welt nicht mehr, wenn denen, die Milliarden verzockt hätten, geholfen werde, aber nicht denen, die ein stabilisierender Faktor für die Volkswirtschaft seien, erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Immerhin trage die Landwirtschaft zusammen mit der Ernährungsbranche 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Gemessen an den Hilfen für andere Branchen wie die angeschlagenen Banken oder die Autoindustrie nehmen sich die geforderten Hilfen der Landwirtschaft laut Sonnleitner „bescheiden“ aus. Er hoffe daher, dass es Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) gelinge, dies am Kabinettstisch für die Bauern durchzusetzen, sagte Sonnleitner. „Wir erwarten schon eine gezielte Begleitung unserer Betriebe als Initialzündung.“ Daran werde man die Ministerin messen.
Nach den Vorstellungen des Bauernverbandes muss die Investitionsförderung in der sogenannten Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstrukturen „mindestens um 50 Millionen Euro erhöht werden“.

Mit dem Geld soll etwa der Bau von Kuh- und Schweine-ställen gefördert werden. Zudem solle die degressive Abschreibung auch auf Ausgaben für Gebäude wie jene Stallbauten ausgedehnt werden. Jetzt sieht der Bauernpräsident die Chance, auch die Dieselbesteuerung zu senken. Seit Jahren kritisiert Sonnleitner die Benachteiligung der deutschen Landwirte im Wettbewerb, weil die Steuersätze für Agrardiesel in anderen EU-Ländern niedriger sind.

Er räumte ein, dass die Agrarbranche bisher von größeren Mengeneinbrüchen verschont geblieben sei. Aber die Landwirte bekämen inzwischen verstärkt den Trend zu Billiglebensmitteln zu spüren. Hinzu komme der Preisverfall bei Milch und Getreide. „Bei diesen Produkten sind wir wieder auf dem Erzeugerpreisniveau von Anfang dieses Jahrzehnts angekommen“, erklärte Sonnleitner.

Deshalb erwartet der Bauernpräsident deutliche Gewinneinbußen bei den landwirtschaftlichen Betrieben im Wirtschaftsjahr 2008/09 (30. 6.). Ein Haupterwerbsbetrieb müsse sich auf einen Rückgang von 7000 Euro auf 41.000 Euro im Schnitt einstellen. Und von diesem Geld müssen die Landwirte laut Sonnleitner neben ihrer privaten Lebenshaltung Investitionen, Sozialversicherungsbeiträge und Steuern bezahlen. Im Jahr zuvor hatten viele Landwirte jedoch gut verdient.

Im Durchschnitt stiegen die Betriebsergebnisse 2007/08 um 17 Prozent auf knapp 50.000 Euro. Und es gibt – anders als in vielen Branchen – Anzeichen für eine Besserung: Zur Jahresmitte könnten die Preise am Milchmarkt wieder anziehen, wie Sonnleitner sagte. Die weltweite Verringerung des Anbaus werde zudem zu festeren Getreidepreisen führen.

von Carola Böse-Fischer