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Deutschland / Welt Aufschwung der deutschen Wirtschaft so stark wie nie
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18:40 14.12.2010
Bei vielen Firmen in Deutschland wie hier beim Turbinenhersteller MAN-Turbo brummt das Geschäft wieder. Quelle: dpa
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Die Konjunktur in Deutschland brummt. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn schwärmt gar von einem Wintermärchen. Auch die Verbraucher profitieren von der raschen Erholung der Wirtschaft. Noch nie hat das Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung einen so starken Aufschwung in Deutschland registriert wie 2010. Auch im kommenden Jahr geht er weiter – aber nicht mehr ganz so schnell. Die Konjunkturampeln seien zwar weiterhin auf Grün gestellt, sagte Ifo-Chef Sinn am Dienstag in München. „Das konjunkturelle Expansionstempo wird dabei aber wohl merklich geringer sein als im laufenden Jahr.“ Nach einem Wachstum von voraussichtlich 3,7 Prozent in diesem Jahr rechnet das Ifo-Institut in seiner Prognose für 2011 mit 2,4 Prozent.

Auf die Verbraucher könnten infolge des Aufschwungs höhere Preise zukommen. Die Ifo-Forscher rechnen für 2011 mit einer Inflationsrate von 1,7 Prozent. Die Aufregung um den Euro ist aus Sicht von Sinn übertrieben. „Ich glaube, der Euro wird überleben.“ Die Krise sei nicht so groß, wie sie gemacht werde.

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Verbesserungen erwartet Sinn auf dem Arbeitsmarkt. „Die Arbeitslosigkeit dürfte im Jahresdurchschnitt um 300 000 Personen sinken.“ Nachdem die Firmen in diesem Jahr vor allem Zeitarbeiter eingestellt hätten, sei 2011 auch mit Zuwächsen bei den Stammbelegschaften zu rechnen. Damit dürfte die Arbeitslosenquote auf 7 Prozent sinken.

Die Erholung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr hat nach den Worten von Sinn alle Rekorde gebrochen. „Wir haben überhaupt noch nie so einen starken Wirtschaftsaufschwung gesehen beim Ifo-Institut.“ Dabei habe sich Deutschland deutlich besser geschlagen als die meisten anderen Länder. „Die Konjunktur ist das reinste Wintermärchen.“

Die Verbraucher können 2011 mit höheren Einkommen rechnen. Im Schnitt steige dadurch ihre Kaufkraft um 499 Euro auf 19 684 Euro, prognostizierte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Die privaten Haushalte dürften dabei nach Einschätzung der Konsumforscher nicht nur von den erwarteten höheren Löhnen profitieren, sondern auch von der raschen Erholung der deutschen Wirtschaft. Insgesamt rechnet die GfK 2011 mit einer Kaufkraft von 1,61 Billionen Euro; das wären 2,6 Prozent mehr als in diesem Jahr. Jedoch sei die Prognose mit Risiken behaftet: So könne eine über 1,7 Prozent liegende Inflation einen Teil des Kaufkraftzuwachses aufzehren. Auch drohten 2011 höhere Beiträge etwa für Krankenversicherungen.

l Chemiebranche auf Rekordjagd: Nach einer rasanten Aufholjagd erwartet die deutsche Chemieindustrie 2011 ein schwächeres Wachstum, peilt aber dennoch Rekorde an. 2011 würden die Produktion um 2,5 Prozent und der Umsatz um 4 Prozent steigen, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt mit. Damit würden bei beiden Kennziffern Rekorde erreicht. Der 2010 erzielte Produktionszuwachs von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr war laut VCI der stärkste seit 34 Jahren. Mit einem geschätzten Umsatz von 170,6 Milliarden Euro (plus 17,5 Prozent) werde voraussichtlich das zweitbeste Geschäftsjahr der Geschichte nach 2007 abgeschlossen.

dpa