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Deutschland / Welt Aus Geiz macht Apple Schulden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Aus Geiz macht Apple Schulden
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00:22 04.05.2014
Von Jens Heitmann
Der Konzern zahlt lieber Zinsen an Anleihegläubiger in aller Welt als Steuern in den USA.
Der Konzern zahlt lieber Zinsen an Anleihegläubiger in aller Welt als Steuern in den USA Quelle: dpa
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Hannover

Im ersten Quartal hat das Unternehmen 10 Milliarden Dollar verdient. Auf der hohen Kante liegen insgesamt 150 Milliarden Dollar – und trotzdem scheint Apple knapp bei Kasse zu sein. Mit dem Verkauf von Anleihen sammelte der Konzern jetzt 12 Milliarden Dollar ein.

Warum aber leiht sich ein Unternehmen Geld, das dies eigentlich gar nicht nötig hat? Profane Antwort: aus Geiz. Um Steuern zu sparen, hat Apple seine vielen Milliarden in diversen Oasen rund um den Globus geparkt. Wollte der Konzern einen Teil des Geldes auf seine Konten in den USA überweisen, würden darauf hohe Steuern fällig – angesichts der niedrigen Zinsen ist es für Apple also billiger, Schulden zu machen.

Lange hat man sich in der Zentrale im kalifornischen Cupertino über solche Fragen keinerlei Gedanken machen müssen. Die Aktionäre gaben sich mit den satten Kursgewinnen zufrieden. Die Zahlung einer Dividende war allenfalls ein  Thema für Außenseiter – für Unternehmensgründer Steve Jobs war es überhaupt keines. Mit dessen Tod jedoch änderte sich einiges: Seit 2012 beteiligt auch Apple seine Aktionäre direkt am Gewinn. Konzernchef Tim Cook hat ihnen erst in der vergangenen Woche eine um 8 Prozent höhere Quartalsdividende versprochen.

Und nicht nur das: Um den Kurs zu stabilisieren, will Apple auch eigene Aktien zurückkaufen. Erst war von 60 Milliarden Dollar die Rede, inzwischen hat man die Summe noch einmal um die Hälfte aufgestockt. Zusammen mit der Dividendenausschüttung addiert sich das auf 130 Milliarden Dollar. Da der Konzern solche Summen auf seinen heimischen Konten nicht ansatzweise auftreiben kann, bleibt nur der Weg über die Anleihen.

Dieses Finanzierungsmodell hat für Apple noch einen weiteren Vorteil: Das Unternehmen gewinnt so Zugang zu neuen Gruppen von Investoren. Dazu zählen beispielsweise Pensionsfonds, die immer auf der Suche nach langfristigen Anlagen sind, die sich gut rentieren und dennoch hohe Sicherheit bieten. Anleihen von Blue-Chips bedienen diese Nachfrage bestens, weil die Bonität der Emittenten nicht in Zweifel steht – und weil sie in der Regel nicht so großen Kursschwankungen unterliegen wie Aktien. Schon im vergangenen Jahr hatte Apple mit seinen Anleihen großen Erfolg und konnte am Kapitalmarkt 17 Milliarden Dollar einsammeln.