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Deutschland / Welt So fährt Conti in die Zukunft
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt So fährt Conti in die Zukunft
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09:54 22.06.2017
Mit dem Cube erprobt Continental komplett fahrerlose Autos. Quelle: Conti
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Wietze

„Übernehmen Sie die Kontrolle jetzt“, mahnt eine Computerstimme. Doch der Continental-Ingenieur Oliver Fochler legt die Hände nicht wieder auf das Lenkrad. Jetzt ist das Auto auf sich allein gestellt. Was soll es tun? Mitten auf dem Fahrstreifen anhalten? Nach rechts auf den Standstreifen ziehen? Oder bis zum nächsten Parkplatz fahren?

Die Fahrt auf der Teststrecke zeigt: Was Menschen intuitiv entscheiden, ist für Computer eine knifflige Aufgabe. Und die Ingenieure des hannoverschen Autozulieferers müssen den Rechnern die Lösungen für Hunderte solcher Probleme beibringen. An Standorten in Europa, Japan, China und den USA arbeiten sie an Komponenten und Systemen für das autonome Fahren.

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2020 allein auf der Autobahn

Alle zwei Jahre kommen rund 200 von ihnen zum Contidrom, dem Conti-Testgelände in Wietze im Landkreis Celle. Dort erlauben sie einen Einblick in ihre Arbeit. Sie sprechen dabei aber lieber über einzelne Puzzlestücke und Zwischenziele als über das große Gesamtziel – das komplett fahrerlose Auto für alle Straßen.

Für Oliver Fochler ist die nächste Etappe ein System, mit dem Autos begrenzte Abschnitte auf der Autobahn autonom fahren, die Kontrolle danach aber wieder an den Fahrer übergeben. Wenn der Fahrer nicht reagiert, entscheidet das System anhand der Umgebung, wie das Auto am sichersten zum Stand gebracht werden kann. Auf der abgesperrten Teststrecke funktioniert das schon. „2020 wollen wir damit im Markt sein“, sagt Fochler.

Ein weiteres Puzzlestück ist das autonome Parken. Am Fahrbahnrand können Autos das längst, aber Continental arbeitet an weitergehenden Lösungen: Beim sogenannten Trained Parking fährt der Fahrer einmal selbst von seiner Grundstücksgrenze bis in die Garage. Dabei zeichnet das Auto die Strecke auf. Beim nächsten Mal steigt der Fahrer aus und gibt per Smartphone-App das Startsignal – den Rest erledigt das Auto allein, natürlich unter Rücksicht auf unerwartete Hindernisse. Auch das soll 2020 serienreif sein.

Rechtliche Probleme bleiben

Darüber hinaus zeigen die Ingenieure den sogenannten Driver­Analyzer. Dabei handelt es sich um eine Kamera im Armaturenbrett, die den Fahrer permanent beobachtet. Anhand seiner Blickrichtung und Kopfposition erkennt sie, wie aufmerksam er ist. Auch das ist wichtig für das autonome Fahren: Dösende Fahrer muss der Computer mit dringlicheren Signalen wieder aufwecken also solche, die ohnehin auf die Fahrbahn schauen. Datenschutzbedenken müsse man nicht haben, betonen die Ingenieure: Das Bildsignal werde nicht aufgezeichnet, sondern nach der Auswertung verworfen.

Die Ingenieure berichten auch von rechtlichen Fragen. Zwar erlaubt das Gesetz seit Kurzem technische Systeme, die Autos zeitweise allein steuern. Doch die Menschen müssen weiter das Verkehrsgeschehen überwachen und auf unvorhergesehe Ereignisse reagieren – sonst haften sie für Unfälle.

Von Christian Wölbert