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Deutschland / Welt Conti-Reifen rollen auf Rekorde zu
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Conti-Reifen rollen auf Rekorde zu
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00:15 09.05.2014
Von Lars Ruzic
Die steigende Autoproduktion treibt die Reifenproduktion an.
Die steigende Autoproduktion treibt die Reifenproduktion an. Quelle: dpa
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Hannover

„Wir hatten starken Rückenwind bei den Kautschukkosten“, sagte Conti-Finanzchef Wolfgang Schäfer der HAZ. Obwohl die Reifennachfrage weltweit wieder anzieht, liegen die Preise für den Rohstoff derzeit noch deutlich unter denen des Vorjahres. Das sorgt in der Division für Rekordergebnisse: An jedem Reifen verdient sie derzeit 19 Prozent vom Umsatz.

Allein im ersten Quartal habe man für Natur- und Synthesekautschuk – die wichtigsten Rohstoffe im Gummigeschäft – 50 Millionen Euro weniger ausgeben müssen als erwartet, berichtete Schäfer. Fürs Gesamtjahr kalkuliert er allerdings trotzdem nur mit 80 Millionen Euro Einsparungen. Mit der weiteren Erholung der Reifenmärkte dürften auch die Kautschukpreise wieder anziehen, so der Finanzchef.

Vor allem in Europa – dem zentralen Ansatzgebiet für Conti – haben die Pkw-Reifenmärkte fast drei Jahre der Tristesse hinter sich. Inzwischen habe das Ersatzgeschäft – also der Verkauf an Endkunden – hier wieder um 6 Prozent zulegen können. Conti steigerte seinen Absatz sogar um 9 Prozent. Schäfer bleibt auf Jahressicht dennoch skeptisch: Noch kalkuliert er lediglich mit einem 2-prozentigen Plus im Ersatzgeschäft. Das Reifengeschäft steht heute nur noch für ein Viertel des Konzernumsatzes, erwirtschaftet aber die Hälfte des operativen Ergebnisses.

Abbau des Schuldenbergs

Gleichzeitig erntet der Konzern zunehmend die Früchte seiner rigiden Schuldenpolitik der letzten Jahre. Die Ablösung von Hochzinsanleihen durch deutlich billigere Bonds im vergangenen Jahr hat den Zinsaufwand im ersten Quartal um 36 Millionen Euro sinken lassen – ein Rückgang, der sich direkt auf den Nettogewinn auswirkt. Die Niedrigzinsphase hat Schäfer vor wenigen Tagen auch dazu genutzt, einen 4,5 Milliarden Euro schweren Kredit neu zu verhandeln – mit einer halbierten Zinsmarge.

Insgesamt ist der nach der Siemens-VDO-Übernahme aufgetürmte Schuldenberg weitgehend abgebaut. Die Verbindlichkeiten machen heute weniger als die Hälfte des Eigenkapitals aus. Das ist ein Grund, weshalb der Konzern erstmals seit Jahren wieder einen Zukauf in Milliardenhöhe stemmt: Der hannoversche Kautschukspezialist schluckt den Konkurrenten Veyance – die Übernahme soll im Herbst vollzogen werden. Wie sie finanziert wird, hält sich Schäfer noch offen. Er könne sich auch die Ausgabe einer neuen Anleihe vorstellen, sagte der Finanzvorstand. Für weitere größere Übernahmen sei mittelfristig trotzdem noch Luft.

Der starke Gewinnanstieg hat offenbar auch die Börse überrascht. Conti gehörte zu den wenigen Gewinnern im Dax. „Dem starken Jahr 2013 scheint ein noch besseres 2014 zu folgen“, sagte Frank Schwope, Autofachmann der Nord/LB. Conti kalkuliert für das Gesamtjahr mit einem Umsatzplus von 5 Prozent auf 35 Milliarden Euro und einer um Sondereffekte bereinigten operativen Marge von 10,5 Prozent.

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