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Deutschland / Welt Flughafen-Planer war nur technischer Zeichner
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Flughafen-Planer war nur technischer Zeichner
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14:50 24.06.2014
Die Polizei in Berlin hat zwei Container mit Geschäftsakten zum geplanten Hauptstadtflughafen BER sichergestellt. Quelle: dpa
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Berlin

Die Berliner Flughafengesellschaft ist bei der  Planung ihrer funktionsuntüchtigen Entrauchungsanlage offenbar einem  möglichen Hochstapler aufgesessen. Wie das Magazin stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, ist der im Frühjahr  öffentlichkeitswirksam von Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn geschasste  Alfredo di Mauro, der ehemalige Planer der sogenannten Anlage 14,  kein Ingenieur, wie bisher in Berlin allgemein angenommen. Vielmehr  bestätigte di Mauros Anwalt dem stern nach mehrmaligen Nachfragen,  dass sein Mandant lediglich über einen Gesellenbrief als technischer Zeichner verfüge.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hatte Anfang Mai erklären lassen,  dass die Zusammenarbeit mit dem 52-Jährigen beendet sei. „Er hat die  Anlage 14 in ihrer vorliegenden, nicht funktionsfähigen Form  geplant“, ließ Mehdorn damals erklären. Bereits im Frühjahr 2012 galt die Entrauchungsanlage als Hauptursache für den damals geplatzten  Eröffnungstermin des Flughafens.

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Der stern wollte von der Flughafengesellschaft wissen, ob sich di  Mauro dort als Ingenieur vorgestellt und wie er dies gegebenenfalls  belegt habe. Die Fragen blieben bis zum Redaktionsschluss am  Montagabend unbeantwortet.

Gegen di Mauro waren bereits im Jahr 2002 in seiner Heimatstadt  Offenbach Vorwürfe öffentlich geworden. Damals kündigten ihm die  Gründer eines dortigen Ärztezentrums den Vertrag. Angeblich wegen  einer Fehlplanung di Mauros hatte sich in der Tiefgarage des  Sieben-Millionen-Projektes ein regelrechter See gebildet. „Er hat  sich bei uns als Architekt vorgestellt“, sagte die Ärztin Ileana  Mitrenca dem stern. Di Mauro bestritt den Vorwurf der Fehlplanung. Er habe sich dort nicht als Architekt vorgestellt.

Di Mauro behauptete jetzt auch zunächst gegenüber dem stern, er  verfüge über einen Ingenieursabschluss. Der Vorwurf der Hochstapelei  sei „völlig absurd“. Nach seinen Worten arbeitete er seit 2006 für  das Flughafenprojekt, dies zunächst als freier Mitarbeiter für eine  Ingenieursfirma, die dann 2010 in die Insolvenz ging. Für sie habe er die Entrauchungsanlage für den sogenannten Main Pier des Airports  geplant. Dieser 715 Meter lange Komplex ist zugleich das Hauptgebäude des Flughafens.

Anschließend seien zwei von ihm selbst geführte Firmen, die als  „Ingenieursbüros“ firmierten, für das Airport-Projekt tätig gewesen.  Zuletzt habe er 2012 und 2013 Aufträge des Flughafens erhalten. Di  Mauro hat in den vergangenen Jahren nach den im Bundesanzeiger  veröffentlichten Geschäftszahlen seiner Firma „Technik Consult GmbH  Ingenieurbüro“ deutlich steigende Einkünfte erzielt. Der Bilanzgewinn der Firma stieg von 23.799 Euro im Jahr 2008 auf 641.834 Euro im Jahr 2012.

Akten im Müll entdeckt

Unterdessen hat die Polizei in Berlin hat zwei Container mit Geschäftsakten zum geplanten Hauptstadtflughafen BER sichergestellt und ermittelt jetzt wegen eines möglichen Verstoßes gegen den Datenschutz. Ein Polizeisprecher bestätigte am Dienstag Medienberichte, denen zufolge die Akten am Montag von einer Passantin im Stadtteil Lichtenberg entdeckt wurden. Diese benachrichtigte Polizei und Medien. „Wir prüfen jetzt, ob etwas Strafbares vorliegt“, sagte der Sprecher.

Die Akten stammen nach Medienberichten möglicherweise von dem ehemaligen Planungsbüro PG BBI, das bis Mai 2012 Generalplaner für den Flughafen BER war. Sie enthalten demnach vertrauliche Informationen zum Beispiel zu Fahrstühlen und Starkstromanlagen sowie Grundrisse. Zeitungen berichteten weiterhin, dass auch Warnungen wegen baulicher Verzögerungen in den Berichten zu finden seien. In der Straße, in der sich die Müllcontainer befanden, lag nach Medienangaben ein Architekturbüro, das zu PG BBI gehörte. Es sei im vergangenen Jahr in die Insolvenz gegangen.

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) teilte am Dienstag mit, dass sie im Zusammenhang mit dem Aktenfund Anzeige gegen Unbekannt erstattet habe. „Nach erster Einschätzung der Flughafengesellschaft liegt in diesem Fall ein eklatanter Verstoß gegen vertragliche Pflichten und ein Bruch der Vertraulichkeit eines Vertragspartners der FBB vor“, erklärte die Flughafengesellschaft. Auftragnehmer seien „grundsätzlich“ zu „sorgfältigem und vertrauensvollem Umgang mit Daten und Informationen verpflichtet“.

Der neue Flughafen BER sollte ursprünglich im Juni 2012 eröffnet werden. Probleme bei der Fertigstellung der Entrauchungsanlage führten dazu, dass der Termin nicht eingehalten werden konnte. Dem Planungsbüro PG BBI wurde wegen der geplatzten Inbetriebnahme gekündigt. Ein neuer Eröffnungstermin für den BER steht bisher nicht fest.

afp/ska

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