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Deutschland / Welt BMW schafft es knapp in die Gewinnzone
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt BMW schafft es knapp in die Gewinnzone
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19:38 03.11.2009
In den BMW-Fabriken endet die Kurzarbeit. Quelle: ddp
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Weil es an den Automärkten langsam wieder aufwärts geht, peile BMW nun auch für das Gesamtjahr 2009 Gewinne an. Bislang hatte er sich diese Prognose verkniffen. Nach Verlusten war BMW im zweiten Quartal 2009 in die Gewinnzone zurückgekehrt. Gleichwohl hinterlässt die Branchenkrise bei dem Münchener Autobauer immer noch tiefe Spuren.

Der Quartalsgewinn fiel weit niedriger aus als erwartet. Nach neun Monaten stehen nur noch 47 Millionen Euro Konzernüberschuss zu Buche, nach 1,3 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Die Aktie geriet entsprechend unter Druck, sie lag zeitweise mit 7 Prozent im Minus. Obwohl die Kurzarbeit ausläuft und teils auch wieder Leiharbeiter eingestellt werden, gibt es für die Belegschaft keine Entwarnung. Seit Anfang des Jahres habe BMW durch freiwillige Abfindungsangebote und natürliche Fluktuation 1600 Stellen abgebaut, und so werde es vorerst auch weitergehen, sagte Reithofer. Ende September beschäftigte der Konzern noch gut 98.000 Mitarbeiter.

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In den Werken Leipzig und Dingolfing würden derzeit aber sogar wieder Sonderschichten gefahren, weil die beiden neuen Modelle X1 und 5er GT auf den Markt kommen. Von ihnen erhofft sich Reithofer genug Schub, um den Absatzrückgang in diesem Jahr auf 10 bis 15 Prozent zu begrenzen und sich von den Rabattkämpfen der Branche zu verabschieden. Behält er Recht, werden 2009 insgesamt gut 1,2 Millionen Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft. Beim Kleinwagen Mini sind die Verkaufszahlen im dritten Quartal erstmals seit Beginn der Autokrise wieder leicht gestiegen.

Für das nächste Jahr erwartet Reithofer eine Erholung der Automärkte, von der auch BMW profitieren werde. Mit dem X6 und der 7er-Reihe sollen zwei BMW-Modelle mit Hybrid-Antrieb auf den Markt kommen. Ein Ausbau des Baukastensystems soll zudem Kosten senken. Bis 2012 will Reithofer im reinen Autogeschäft ohne Motorrad- und Finanzsparte 8 bis 10 Prozent Rendite schaffen.

BMW müsse einen schwierigen Spagat bewältigen, sagte Reithofer. Einerseits erfordere die Autokrise erhebliche Kostensenkungen. Andererseits zwingen staatliche Abgasvorschriften, die 2015 und 2020 in Kraft treten, zu massiven Investitionen in neue Technologie. BMW stecke deshalb dieses und nächstes Jahr gut eine Milliarde Euro in deutsche Standorte und investiere auch in den USA eine Milliardensumme. Eines der wichtigsten Projekte ist das sogenannte Mega City Vehicle, ein Elektroauto, das als BMW-Untermarke möglichst vor 2015 auf den Markt kommen soll.

Um den dafür nötigen Leichtbau zu realisieren, haben die Münchener soeben eine Kooperation mit dem Karbonfaser-Hersteller SGL vereinbart, die 180 neue Stellen schafft. Dieser leichte, aber heute noch sehr teure Werkstoff gilt als ein Kernelement künftiger Elektroautos. „Wir wissen, wohin wir wollen“, sagte Reithofer. Gesellschaftliche Reputation in Form von Umweltengagement werde immer wichtiger für das Geschäft. BMW müsse als Premiumanbieter Vorbild sein.

von Thomas Magenheim