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Deutschland / Welt Backmittelspezialist peilt weitere Zukäufe an
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Backmittelspezialist peilt weitere Zukäufe an
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22:19 11.06.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Geschäftsführer Detlef Krüger setzt auf Qualität: „Wir gehen nicht über den Preis in den Markt.“.
Geschäftsführer Detlef Krüger setzt auf Qualität: „Wir gehen nicht über den Preis in den Markt.“. Quelle: Steiner
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Hannover

„Wir nehmen aktiv an der Marktkon solidierung teil“, sagt Firmenchef Detlev Krüger. In den zurückliegenden zehn Jahren hat Martin Braun seinen Umsatz auch deshalb auf mehr als 250 Millionen Euro verdoppelt. Doch die Lust auf Süßes ist noch nicht gestillt: „Wir wollen im gleichen Tempo weitermachen“, so der Sprecher der Geschäftsleitung.

Das Geschäft mit Produkten für Bäcker und Konditoren steht gleich von zwei Seiten unter Druck. Einerseits haben sich die Rohstoffkosten für fast alle wichtigen Vorprodukte der Industrie teils drastisch erhöht, andererseits kommen ihnen immer mehr Kunden abhanden. Allein in Deutschland ist die Zahl der Bäckerbetriebe in den vergangenen sieben Jahren um gut 3000 auf 14.200 geschrumpft. So retten sich immer mehr mittelständische Industriebetriebe unter das rettende Dach einer Branchengröße.

Martin Braun hat sich unter der schützenden Hand der Konzernmutter Oetker zu einem Spitzenspieler in Europa gemausert. Einst vor allem auf Backmischungen, Aromen, Füllungen und Glasuren konzentriert, liefern die Hannoveraner heute nicht nur Zutaten für Brot, Brötchen und Eisherstellung. Sie haben auch komplette Teiglinge im Angebot, die der Bäcker nur noch in den Ofen schieben muss. „Wir sehen uns als Qualitätsanbieter und gehen nicht über den Preis in den Markt“, sagt Krüger. Diese Prämisse müsse auch für die Firmenzukäufe gelten. Bislang habe man keine der fünf Übernahmen in den vergangenen zehn Jahren bereut, beteuert der promovierte Kaufmann.

Der gerade über die Bühne gebrachte Erwerb des Fruchtpüree-Herstellers Capfruit stelle eine „spannende Ergänzung“ der eigenen Produktpalette dar, so Krüger. Mit den Produkten der französischen Tochter erfülle man den wachsenden Bedarf an natürlichen Zutaten ohne Zusatzstoffe. „Unsere Philosophie heißt: möglichst wenige E-Nummern“, umschreibt es der 46-Jährige. Will heißen: Der Einsatz von Farb- und Konservierungsstoffen, Emulgatoren, Stabilisatoren und Co. soll minimiert werden. Schon heute hat Martin Braun Biohefe und tiefgefrorene Biobackwaren im Angebot, die Aromen entstehen vorwiegend auf natürlicher Basis.

Gleichwohl warnt Krüger vor übertriebenen Anforderungen an ein Bäckereiprodukt. Es gehe schließlich keine Handwerkskompetenz verloren, wenn der Bäcker seine Schokoglasur von den Backzutatenherstellern beziehe. Sie sei eine Zutat wie Zucker oder Mehl auch. Alle Bestandteile einer Torte könne der Konditor schon aus Kostengründen nicht selbst machen. Es dürfe hier keine „Verteufelung“ der Industrie geben. Das sagt der einstige Assistent von August Oetker nicht nur aus eigenem Interesse, sondern auch als Vorsitzender des Deutschen Backzutatenverbands.

In der Funktion will Krüger künftig verstärkt für den Bäckerberuf werben. „Der fehlende Nachwuchs ist eine ganz große Herausforderung“, sagt er. Deshalb müsse das Handwerk an seinem Ruf arbeiten. Der Beruf möge hart sein. Aber er biete die Chance, sich vergleichsweise leicht selbstständig zu machen und kreativ zu arbeiten. „Es gibt viele tolle und erfolgreiche Handwerksbäcker“, sagt Krüger. Muss er auch. Sie stellen schließlich seine wichtigste Kundengruppe.