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Deutschland / Welt Ohne Gleichen
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16:09 23.10.2014
Von Johanna Di Blasi
Unternehmenschef Werner Michael Bahlsen. Quelle: dpa
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Berlin

Das Krümelmonster wäre wahrscheinlich enttäuscht: lauter Keksdosen, aber nichts drin. Für Sammler jedoch sind es Raritäten. Mehr als 200 bunte Keksverpackungen zeigen im Bröhan-Museum in Berlin, einem der Jugendstil- und Art-déco-Epoche und modernem Design gewidmeten Spezialmuseum, dass sich in Verpackungen des 125 Jahre alten hannoverschen Traditionshauses gleich mehrere künstlerische Epochen spiegeln: vom floralen Jugendstil über den Expressionismus bis zur psychedelischen Pop- und Op-Art.

1889 legte Hermann Bahlsen in Hannover den Grundstein für sein Unternehmen, mit dem er die britische Cakes-Kultur nach Deutschland holte. Da in Deutschland „Cakes“ beharrlich als „Keks“ ausgesprochen wurde, passte der Backwarenspezialist die Schreibung auf seinen Verpackungen an – und bereicherte den deutschen Wortschatz: „Keks“ fand Aufnahme in den Duden.

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„TET“ steht auf den Packungen in Anspielung auf die ägyptische Hieroglyphe für „ewig dauernd“. Luftdicht wie eine Mumie im Sarkophag sollte das massenhaft ausgelieferte und auf diversen Weltausstellungen beworbene Gebäck verpackt sein.

Von Anfang an hat die Firma Künstler als Gestalter von Dosen für bunte Waffelmischungen oder leckere „Ohne Gleichen“ eingebunden. „Ich kenne keine andere Firma, die so stringent und konsequent 100 Jahre lang mit Künstlern zusammengearbeitet hat“, sagt die Ausstellungskuratorin Alexandra Panzert. Im Jahr 1915 seien sogar 15 Künstler parallel tätig gewesen.

Emanuel Josef und Ella Margold, Protagonisten der Wiener Werkstätten, entwarfen zahllose Verpackungen. Ein Münchener Kunstprofessor dekorierte Blechdosen mit Märchenmotiven. Im Ersten Weltkrieg schickte die Firma „Kraftnahrung“ als „Notverpflegung“ in angemessen schlichten Kartons an die Front. Noch während des Ersten Weltkriegs schmiedeten Bahlsen und der Künstler Bernhard Hoetger hochfliegende Pläne zum Bau einer TET-Stadt im ägyptischen Stil, die allerdings Traum blieb. In den zwanziger Jahren schuf Martel Schwichtenberg mit der eleganten „Angora-Dose“ – mit einem stilisierten Kätzchen als Motiv – einen Dosenklassiker. Sammler legen heute dafür mehrere Tausend Euro auf den Tisch.

Im Zweiten Weltkrieg waren in der Firma, wie in vielen anderen Großunternehmen, Zwangsarbeiter beschäftigt. Eine „Sieg- und Heilpackung“ wurde entworfen. In der Berliner Ausstellung ist nur die Entwurfszeichnung zu sehen. Die Schau führt Bestände aus dem umfangreichen Bahlsen-Archiv und aus der Privatsammlung des Galeristensohns und hauptberuflichen Kriminalhauptkommissars Felix Brusberg zusammen.

Heute hat Bahlsen an mächtiger internationaler Konkurrenz hart zu knabbern. In Amerika und im mittleren Osten versucht das Unternehmen stärker Fuß zu fassen. In der Jubiläumskeksdose aber, erhältlich im Museumsshop, empfiehlt sich das Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz von knapp 530 Millionen Euro indes als global gleichmäßig verankerter Keksriese.

Wenn einst die Bahlsen-Kekse aufgegessen waren, bewahrten Tanten und Schwestern Selbstgebackenes, Liebesbriefe oder Strumpfbänder in den hübschen Schatzkästchen auf. Vielfache Gebrauchspuren zeugen davon, dass die schönen Bahlsen-Dosen von Hand zu Hand und von Generation zu Generation wanderten. Im Billigsnackszeitalter kann man davon nur träumen.

„Kunst und Keksdose. 125 Jahre Bahlsen“: bis 9. November, Bröhan-Museum, Schloßstraße 1a, in Berlin, dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Infos unter
www.broehan-museum.de .

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