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Deutschland / Welt Bahn-Beschwerden auf Rekordhoch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bahn-Beschwerden auf Rekordhoch
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00:15 02.01.2014
In knapp der Hälfte der Fälle haben Kunden sich über Verspätungen und Zugausfälle geärgert. Quelle: dpa
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Berlin

Mehr als 1,25 Millionen Reisende haben sich im abgelaufenen Jahr  bei der Deutschen Bahn (DB) über verspätete und ausgefallene Züge oder andere Service-Mängel beschwert. Im Vorjahr waren es nur 900 000 Fahrgäste, die eine Entschädigung beantragten. Die Bahn gibt an, sehr kulant mit den Beschwerden umzugehen: 90 Prozent der Antragsteller erhielten einen Gutschein oder eine Erstattung.

Überraschend kommt der Anstieg an Beschwerden nicht: Die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr war 2013 miserabel. Nur im Februar kamen im Durchschnitt mehr als 80 Prozent der ICE- und IC-Züge planmäßig an. Damit erreichte die DB nur in einem einzigen Monat ihr selbst gestecktes Pünktlichkeitsziel. Im Juni, während des Elbhochwassers, schafften es nur 65,1 Prozent der Züge, mit weniger als fünf Minuten Verspätung anzukommen. Im November lag dieser Wert bei 69,3 Prozent.

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DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg gelobte gestern Besserung. Für einen großen Teil der Probleme 2013 sei aber nicht die Bahn verantwortlich. Neben dem Hochwasser, das die wichtigste Ost-West Strecke zwischen Hannover und Berlin für gut fünf Monate unterbrach, hätten viele Unwetter, der notorische Kabelklau durch Buntmetalldiebe und eingestürzte Bergwerksstollen im Ruhrgebiet die Bahn ausgebremst. „Solche externen Einflüsse können Sie weder vorhersehen noch völlig verhindern“, meinte Homburg. Die gestiegene Anzahl der Beschwerden wundere ihn daher nicht.

Der Fahrgastverband Pro Bahn lobte gestern die DB für ihre Kulanz im Umgang mit den Anträgen auf Entschädigung. Diese Kulanz sei noch größer geworden, nachdem der Europäische Gerichtshof im September entschieden habe, dass Bahnkunden auch bei höherer Gewalt (Hochwasser, Sturm, Streik, Unruhen) Anspruch auf Entschädigung hätten, sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff.

Allerdings sind 2013 immerhin 3200 Beschwerdefälle bei der Schlichtungsstelle öffentlicher Personenverkehr in Berlin eingegangen, ein Anstieg von 50 Prozent. Die Schlichtungsstelle (www.soep-online.de) wird dann aktiv, wenn sich das Unternehmen mit dem Fahrgast nicht über den Beschwerdefall einig wird.

Pro Bahn erwartet, dass die Züge 2014 deutlich pünktlicher unterwegs sind, denn bald sollen alle 16 bei Siemens bestellten neuen ICE-Züge einsatzbereit sein. Die Züge sollten eigentlich schon seit zwei Jahren fahren, ohne sie hat die DB kaum Ersatzzüge im Fernverkehr. Auch die Personallage dürfte sich nach dem Mainzer Stellwerks-Chaos entspannen, meint Aschoff. 20 Jahre nach der Privatisierung hätten die DB-Manager verstanden, dass man den Konzern nicht kaputt sparen dürfe.

Stattdessen plant die Bahn sogar neue Verbindungen: Zwischen Berlin und Hamburg soll in Zukunft ein Regionalzug rollen, der auch in Berlin Zoo sowie in Stendal und Uelzen hält. Das würde die ICE-Strecke über Wittenberge entlasten. Wann der neue Interregio-Express (IRE) startet, teilte die DB noch nicht mit. Der auf dieser Strecke verkehrende Eurocity, der sogenannte Peter-Struck-Gedenkzug, fährt auch weiterhin. Der Zug heißt so, weil der 2012 gestorbene SPD-Politiker aus Uelzen kam.

Jan Sternberg

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