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Deutschland / Welt Bahn-Mitarbeiterin verschläft Schicht im Zug
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bahn-Mitarbeiterin verschläft Schicht im Zug
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19:16 20.11.2014
Eine Mitarbeiterin weniger, aber keiner hat’s gemerkt: Ein Bordbistro der Bahn.
Eine Mitarbeiterin weniger, aber keiner hat’s gemerkt: Ein Bordbistro der Bahn. Quelle: dpa
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Köln

Entweder leidet die Deutsche Bahn unter einem gewissen Personalüberhang oder an einem Gästeschwund in ihren Bordbistros – anders dürfte es nur schwer zu erklären sein, dass eine dort beschäftigte Mitarbeiterin sieben Stunden am Stück durchschlafen konnte, ohne dass ihr Fehlen bemerkt worden wäre. Erst am Zielort Basel wachte die 30-Jährige wieder auf, um dann noch für vier Stunden zu arbeiten. Dieser Eifer wurde ihr von der Bahn jedoch schlecht gedankt: Sieben Wochen nach dem Dauernickerchen erhielt sie die Kündigung.

Zu Unrecht, wie das Arbeitsgericht Köln am Mittwoch entschieden hat. Die Kündigung sei unverhältnismäßig, befanden die Richter (Az.: 7 Ca 2114/14). Auch dass die Mitarbeiterin zuvor bereits zweimal abgemahnt worden war, weil sie ihren Dienstbeginn verschlafen hatte, spiele keine Rolle – inhaltlich sei das nämlich eine andere Pflichtverletzung.

Der Richter fragte vielmehr, warum die „ganz normale kollegiale Fürsorge“ in diesem Fall nicht gegriffen und niemand nach der kranken Frau geschaut habe. Die Mitarbeiterin hatte an dem fraglichen Tag schon zu Dienstbeginn gegenüber dem Zugchef und der Restaurantleitung über Unwohlsein geklagt, sie wollte sich aber nicht krankmelden. Kurz darauf hatte die Frau sich nach Rücksprache mit ihrer Chefin dann doch in einem Kleinkindabteil ausgeruht – aber darum gebeten, bei Bedarf gerufen zu werden. Dazu kam es jedoch nicht und so schlief die Mitarbeiterin bis Basel durch.

Die Deutsche Bahn dagegen sah in diesem Verhalten der Mitarbeiterin einen Vertrauensbruch, weil sie sich auch rückwirkend nicht krankgemeldet hatte. Einen Vergleichsvorschlag lehnte die Bahn vor Gericht ab – und kassierte eine Abfuhr.
Die müde Bordbistromitarbeiterin zeigte sich nach der Verhandlung erleichtert: „Ich bin froh, dass ich wieder arbeiten gehen kann.“ Während der Arbeit werde sie in Zukunft sicher nicht noch einmal die Beine hochlegen. „Ich habe daraus gelernt.“
Die Bahn hingegen darf noch mehrere Nächte über das Urteil schlafen: Für die Entscheidung, ob sie gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen will, hat sie einen Monat lang Zeit.

Von Michel Winde