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Deutschland / Welt Bahn hat neue Strecke offenbar zu wenig getestet
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bahn hat neue Strecke offenbar zu wenig getestet
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17:55 14.12.2017
Mit viel Tamtam wurde die Strecke eingeweiht, doch möglicherweise zu früh. Außerdem war wohl die Einweisung des Personals unzureichend.  Quelle: Foto: imago
Hannover

Die Probleme auf der neuen Bahnstrecke MünchenBerlin sind offenbar auf eine verfrühte Inbetriebnahme der Route zurückzuführen. Wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Bahnkreisen erfuhr, gibt es ein mehr als 30 Seiten umfassendes Lastenheft, in dem zahlreiche Auflagen für den Start zum Fahrplanwechsel am vergangenen Sonntag fixiert sind. Der Bahn-Vorstand habe den Termin trotz der Schwierigkeiten mit „erheblichem Druck“ durchgesetzt, hieß es. Forderungen nach einer Verlängerung der Testphase seien vom Vorstand unter Verweis auf die Kosten abgelehnt worden.

„Die Einweisung des Zugpersonals in die neue Technik war unzureichend“, meint auch Karl Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Es sei „zu viel am Simulator und nicht auf der Strecke geübt“ worden. Während neue Systeme in der Schweiz oder Japan lange im Probebetrieb getestet werden, schalte die Bahn hierzulande zu schnell vom Probe- auf den Realbetrieb um.

Zug auf alte Strecke umgeleitet

Im Mittelpunkt der Probleme steht das European Train Control System (ETCS), die vollautomatische Signaltechnik, deren „Kinderkrankheiten“ für die zahlreichen Zugausfälle und -verspätungen verantwortlich gemacht werden. Wie das RND erfuhr, ist die Software der Signaltechnik nicht ohne Weiteres mit der der Zugsteuerung vereinbar.

Auch am Donnerstag verspäteten sich wieder Züge auf der neuen Strecke. Ein ICE auf dem Weg nach Berlin war am Nachmittag mit zweieinhalb Stunden Verzug unterwegs. Wiederum ist laut Bahn die ETCS-Technik schuld: Der ICE stand rund 45 Minuten in Nürnberg, während dieser Zeit versuchte der Lokführer vergeblich, die ETCS-Software zu aktualisieren, um die Freigabe für die Schnellfahrstrecke nach Norden zu erhalten. Schließlich wurde der Zug auf die alte Strecke umgeleitet und kam erheblich verspätet in Berlin an.

„Das Problem ist erkannt“

Ein Bahnsprecher bezeichnete die betriebliche Lage als „weiterhin angespannt“, sie verbessere sich aber Tag für Tag. Die hohen Entschädigungen für Zugverspätungen setzen die Bahn zusätzlich unter Druck. Auch Fahrgastverbandssprecher Naumann geht deswegen davon aus, dass die Beeinträchtigungen auf der neuen Strecke in den kommenden Tagen nachlassen werden. „Das Problem ist ja erkannt.“

Wie ETCS die Bahn ausbremst

Dank „Zugbeeinflussungssystemen“ wie ETCS (European Train Control System) weiß der Bordcomputer stets, wo der Zug sich befindet und wie schnell er fahren darf. Diese Daten werden per Funk übertragen. Bei Bedarf bremst das System automatisch.

Am ersten Tag auf der neuen Strecke zwischen Berlin und München war ETCS verwirrt: Ein Raddurchmesser war in der Werkstatt falsch eingegeben worden. Das führte zu falschen Tempoberechnungen, ETCS bremste. Später kamen weitere Software-Fehler hinzu.

Auf einem Teil der Strecke zwischen Berlin und München gibt es nur noch ETCS. Ein älteres System wurde dort nicht mehr installiert. Zickt ETCS, sind die Züge dort also praktisch blind. 

Marktführer für die Technik ist Alstom. Der Konzern baut die nötige Hardware in Salzgitter und Braunschweig in die ICE der Deutschen Bahn ein.

Von Hartmut Reichardt

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