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Deutschland / Welt Bahn lässt Reisezentren am Freitag geschlossen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bahn lässt Reisezentren am Freitag geschlossen
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21:03 04.10.2011
Immer weniger Kunden nutzen die Reisezentren der Bahn. Quelle: dpa
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Berlin

Die Bahn will zumindest auf großen Bahnhöfen zusätzliches Personal einsetzen, um ein Chaos zu vermeiden. Ansonsten verweist der Konzern auf seine Automaten und das Internet. Am Donnerstag und Freitag können Kunden zudem eine kostenfreie Servicenummer (0 80 00 99 66 33) anrufen, um Auskünfte zu erhalten. In Hamburg und Schleswig-Holstein finden die Betriebsversammlungen bereits am Donnerstag statt, dort sind die Servicezentren an diesem Tag zu.

In der Versammlungen sollen die Beschäftigten über den Stand der Gespräche zu den geplanten Rotstiftaktionen am Bahnschalter informiert werden. Wie berichtet, sehen die Bahn-Pläne vor, bis 2016 rund 700 Servicekräfte am Schalter einzusparen. Schon bis 2012 sollen 160 Berater wegfallen. Das stößt auf scharfe Proteste bei Fahrgastverbänden und Gewerkschaften.

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Die Gewerkschaft EVG kritisiert die beabsichtigte Streichung jedes dritten Kundenberaters im Bahnhof als „unverständlich und unüberlegt“. Dieser „brutale Kahlschlag“ stehe „in krassem Gegensatz zu den Aussagen von Bahn-Chef Grube“, den Kunden wieder in den Mittelpunkt zu stellen und auf weiteren Stellenabbau im Vertrieb zu verzichten. Auch Pro Bahn hält die Streichung von 700 Jobs für den falschen Weg.

In den Gesprächen mit dem Betriebsrat stellt sich der Konzern nach Informationen dieser Zeitung bisher stur. Man poche auf die beabsichtigten Kostensenkungen, heißt es. Die Belegschaft sei daher stark verärgert. Die Bahn begründet die geplante Rotstiftaktion mit den sinkenden Verkäufen von Fahrscheinen am Schalter. Immer mehr Tickets verkauft der Staatskonzern über rund 7000 Automaten, das Internet und mobile Empfangsgeräte wie das Handy. In den Ausbau dieser Vertriebswege hat die Bahn viel Geld gesteckt.

Trotzdem finde die Beratung weiterhin meist in den Reisezentren und am Schalter statt, argumentieren Verbraucherschützer. Diesem Beratungswunsch müsse die Deutsche Bahn nachkommen. Schon jetzt gebe es oft lange Warteschlangen vor den noch gut 2300 Reiseberatern in den deutschlandweit noch 400 Reisezentren.

Wenn der Konzern seine Pläne umsetzt, wird es künftig im Durchschnitt nur noch vier statt bisher sechs Berater je Reisezentrum geben. Rund 600 Reisezentren hat die Deutsche Bahn bereits geschlossen und das Bahnhofsgebäude oft gleich dazu. Durch den geplanten weiteren Personalabbau sieht die Gewerkschaft auch den Bestand der restlichen 400 Reisezentren bedroht – der Konzern dementiert weitergehende Abbaupläne.

Thomas Wüpper