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Deutschland / Welt Bahn legt Lokführern Angebot vor
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bahn legt Lokführern Angebot vor
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15:20 11.07.2012
Die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) und die Deutsche Bahn verhandeln über neue Einkommen für die 21.500 Beschäftigten. Quelle: dpa
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Berlin

Eigentlich könnte es ganz einfach sein, sagt der Chef der Lokführer-Gewerkschaft Claus Weselsky. „Diesmal reden wir ja nur über Prozente.“ Seit Mittwoch stehen die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Deutsche Bahn in neuen Tarifverhandlungen für rund 21.500 Lokführer. Bahn-Vorstand Ulrich Weber gibt sich zum Auftakt betont friedlich: Nach den zermürbenden Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre sei auf beiden Seiten „der Wille zu einem konfliktfreien, zügigen Verfahren“ zu erkennen. Ja, sagt Weselsky. „Aber da reden wir über andere Zahlen.“

Ein Einkommensplus von 7 Prozent in einem Jahr, das will die GDL. Die Bahn bietet zum Auftakt 2,5 Prozent in den ersten 15 Monaten - und später noch einmal 2 Prozent drauf. Einen Anstieg der Altersvorsorge einkalkuliert rede man von einem Gesamtpaket von 5,5 Prozent über zwei Jahre, rechnet Weber vor. „Völlig unzureichend“, sagt Weselsky mit Verweis auf die Laufzeit. Nur die Ankündigung der Bahn, das Angebot noch einmal zu verbessern, habe eine Eskalation verhindert.

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Eine neue Tarifrunde für die Lokführer, das weckt Erinnerungen an endlose Streikwellen, zermürbende Marathonverhandlungen, gescheiterte Schlichtungen, frustrierte Reisende. Stillstand auf der Schiene, so hieß es zuletzt jedes Mal. Der Konflikt mit der Deutschen Bahn 2007 dauerte fast ein Jahr. 2010 stand auch bei privaten Bahn-Konkurrenten alles still, häufig im morgendlichen Berufsverkehr.

„In den letzten Runden hatten wir sehr komplexe Forderungen“, erläutert der Gewerkschafts-Chef. In einem fast ein Jahr dauernden Krimi hatten die Lokführer 2007/08 eine eigenständige Verhandlungsmacht erkämpft. In der folgenden Runde 2010/11 wurde mehr als neun Monate lang um einen Rahmentarifvertrag gestritten, also einheitliche Einkommen für alle Lokführer bei Deutscher Bahn und regionalen Bahnen.

Dieses Mal könnte es eigentlich schnell gehen, betont Weselsky - es gehe ja nur um Zahlen. Neue Streiks wolle er nicht. Doch der Gewerkschafts-Chef sagt auch: „Jeder weiß, dass wir die entsprechende Macht haben.“ Der Tarifvertrag und mit ihm die Friedenspflicht sind bereits am 30. Juni ausgelaufen.

Die Forderung der Gewerkschaft fügt sich in die anderer großer Branchen ein. Die IG Metall verlangte im Februar ein Einkommensplus von 6,5 Prozent und erstritt 4,3 Prozent. In der Chemie-Industrie wurden 6 Prozent verlangt und 4,5 Prozent erreicht. Da seien 7 Prozent keine utopisch hohe Forderung, betont Weselsky.

Zur Begründung verweist die Gewerkschaft immer wieder auch auf den um 26 Prozent gestiegenen Gewinn der Deutschen Bahn und vielen Überstunden der Lokführer im Schichtdienst. Auch Weber räumt ein, die Bahn habe 2011 ein „vernünftiges Jahr hingelegt“. Er wolle honorieren, dass die Mitarbeiter eine Topleistung erbracht hätten. Bei der wirtschaftlichen Unsicherheit im zweiten Halbjahr 2012 sei die GDL-Forderung aber „anspruchsvoll“.

Am 23. Juli wollen beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückkehren. Monatelang soll es diesmal nicht dauern, haben sie sich vorgenommen. Eigentlich, so hatte Weselsky nach dem Abschluss im vergangenen Jahr gesagt, „könnte man diese Runde auch am Telefon austragen“. Am Mittwoch will er diesen Satz nicht wiederholen. „Nach diesem Auftakt wäre so etwas wohl eher der Einstieg in den Ausstieg.“

dpa

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