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Deutschland / Welt Bahn überprüfte heimlich zigtausende Mitarbeiter
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bahn überprüfte heimlich zigtausende Mitarbeiter
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18:22 28.01.2009
Die Deutsche Bahn hat heimlich zigtausende Mitarbeiter überprüft. Quelle: Viktoria Kühne/ddp
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Der Anti-Korruptionsbeauftragte des Konzerns, Wolfgang Schaupensteiner, sprach am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Bundestags von 173.000 Beschäftigten, wie Teilnehmer der nicht-öffentlichen Sitzung sagten. Die Mitarbeiter-Daten wurden demnach von einer Detektei mit denjenigen von rund 80.000 Lieferanten des Konzerns abgeglichen, um mögliche Verbindungen aufzudecken. Bislang war lediglich die Überprüfung von rund tausend leitenden Mitarbeitern in den Jahren 2002 und 2003 bekannt gewesen.

Nach Angaben aus Ausschusskreisen ergab der massenhafte Datenabgleich insgesamt rund 300 Auffälligkeiten wie identische Adressen. Davon habe die Bahn rund 100 Fälle weiter verfolgt. Wie viele Korruptionsfälle das Unternehmen so konkret entdeckte, blieb demnach am Mittwoch offen.

Die Grünen verlangten nach der Sitzung eine vollständige Information aller betroffenen Mitarbeiter der Deutschen Bahn und eine „sofortige lückenlose Aufklärung über die Verantwortlichkeiten für dieses Vorgehen im Konzern“. Mit der „heimlichen Ausspähung im großen Stile“ habe das Unternehmen die Grenze der Korruptionsbekämpfung deutlich überschritten und alle Mitarbeiter unter Generalverdacht gestellt, kritisierten der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Winfried Hermann, und Grünen-Ausschussobmann Anton Hofreiter.

Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Dirk Fischer (CDU), sagte, grundsätzlich könne es nicht sein, dass der richtige und notwendige Kampf gegen Korruption „zur allgemeinen Ausspähung missbraucht werden kann, ohne dass die Betroffenen zeitnah informiert werden“. Zum konkreten Fall wolle er noch keine endgültigen Schlussfolgerungen ziehen, da der Ausschuss über das Thema noch nicht abschließend beraten habe. In seiner Sitzung am 11. Februar werde das Gremium dazu noch die Chefs von Konzernrevision und Konzernsicherheit der Bahn anhören.

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix, der die Vorwürfe untersucht, sagte beim Verlassen der Sitzung am Mittwoch zu „stern.de“, seine Behörde habe „Unterstützung aus allen Bundestagsfraktionen erhalten“. Im Februar werde es eine erneute Prüfung bei der Bahn und dann eine zeitnahe Entscheidung geben. Nach Angaben aus Ausschusskreisen deutete Dix an, die Bahn müsse wegen Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen in mindestens zwei Fällen mit der höchstmöglichen Geldbuße von je 250.000 Euro rechnen.

afp