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Deutschland / Welt Wirtschaft fürchtet Engpässe
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14:36 05.11.2014
VW-Kleintransporter stehen auf einem Zug im Rangierbahnhof Seelze.
VW-Kleintransporter stehen auf einem Zug im Rangierbahnhof Seelze. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Niedersachsens Wirtschaft fürchtet die schwer vorhersehbaren Folgen des bisher längsten Lokführerstreiks bei der Deutschen Bahn. „Das ist eine ganz neue Dimension mit nicht kalkulierbaren Auswirkungen“, sagte Metallarbeitgeber-Chef Volker Schmidt am Mittwoch in Hannover. Derweil stellt sich Europas größter Autobauer Volkswagen darauf ein, dass seine Produktionsbänder trotz des Streiks im Güterverkehr laufen.

Besonders der Maschinenbau und die Automobilindustrie dürften leiden. Sie sind in besonderem Maße von einer Logistikkette abhängig, deren exaktes Zusammenspiel dem eines Orchesters gleicht. Dabei ist die unternehmenseigene Lagerhaltung auf ein Minimum reduziert, was Kosten und Fläche spart. Bauteile werden nicht nur genau pünktlich, sondern sogar schon in der richtigen Einbaureihenfolge sortiert angeliefert. Wenn dabei nur ein Puzzleteil ausfällt, gefährdet es die ganze Kette. Zuletzt hatten die Lokführer Mitte Oktober 50 Stunden im Personen- und 61 Stunden im Güterverkehr gestreikt. Der neue, historisch lange Arbeitskampf soll nun diesmal im Personenverkehr 98 Stunden und im Güterverkehr sogar 109 Stunden laufen - also viereinhalb Tage.

NiedersachsenMetall-Chef Schmidt berichtete, dass sich der vergangene Streik mit seinen Auswirkungen noch in engen Grenzen gehalten habe. Doch der neue Ausstand soll im Güterverkehr nun um 80 Prozent länger laufen als der vorherige. Schmidt kritisierte die Gewerkschaft GDL daher scharf. „Das ist ein unverantwortliches Verhalten der GDL in einer konjunkturell ohnehin äußerst schwierigen Situation. Es droht die Gefahr, dass die komplexen Wertschöpfungsketten unserer Branche empfindlich gestört werden. Wenn am Ende Bänder stillstehen, steht das in keinem Verhältnis mehr. Den Schaden haben die Unternehmen und die Beschäftigten.“

Ein VW-Konzernsprecher sagte am Mittwoch: „Wir beobachten die weitere Entwicklung sehr aufmerksam. Unser Ziel ist es, die Produktion an unseren Standorten aufrecht zu erhalten.“ Details zu denkbaren Folgen für die Unternehmenslogistik oder den möglichen Reaktionen auf den Ausstand auf der Schiene erörterte er nicht. Der VW-Konzern zählt allein in Niedersachsen und Nordhessen insgesamt sechs Fabriken, darunter gilt das Stammwerk in Wolfsburg als die weltgrößte zusammenhängende Produktionsstätte. Neben der alltäglichen Logistik für den Autobau hängt VW auch an den Seehäfen von der Schiene ab.

Laut früheren Konzernangaben, die bereits aus dem Jahr 2006 stammen, galten für das ostfriesische Emden als Knotenpunkt der globalen VW-Autologistik zwischen Europa und Übersee schon damals folgende Daten: 750 Schiffe, 60 000 Eisenbahnwaggons und 25 000 Lkw brachten rund 900 000 Fahrzeuge pro Jahr in alle Welt. Zeitgleich wurden bis zu 20 000 Fahrzeuge zwischen den Verkehrsträgern Bahn, Lkw und Schiff umgeschlagen. Seit 2006 ist der VW-Konzern erheblich gewachsen. Damals verschifften in Europa laut VW nur noch die Häfen Zeebrügge in Belgien und Bremerhaven mehr Autos als der Hafen in Emden.

dpa

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