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Deutschland / Welt Bahntickets werden deutlich teurer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bahntickets werden deutlich teurer
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20:44 13.10.2011
Mehr Automaten, weniger Service, höhere Preise: Für Bahnfahrkarten müssen die Kunden künftig tiefer in die Tasche greifen. Quelle: dpa
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Berlin/Hannover

Zugfahren wird zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember teurer. Die Deutsche Bahn (DB) erhöht die Preise im Fernverkehr um durchschnittlich 3,9 Prozent. Auch Bahncard und Reservierungen kosten deutlich mehr. Im Nahverkehr steigen die Tarife um 2,7 Prozent. Verkehrs- und Fahrgastverbände kritisieren die Zuschläge als zu hoch und nicht angebracht, weil die Qualität der Angebote teils mangelhaft sei. Kunden würden durch höhere Preise abgeschreckt statt angelockt.

Der Staatskonzern begründet die Preiserhöhungen mit deutlichen Mehrkosten bei Personal und Energie. Bahn-Vorstand Ulrich Homburg hatte eigens Verbandsvertreter zur Vorstellung der neuen Tarife eingeladen. Den Angaben zufolge kletterten die Strompreise für die Bahn seit vorigem Jahr um gut 7 Prozent. Zudem schlugen Tariferhöhungen, Zulagen und verbesserte Altersregelungen für die Beschäftigten zu Buche.

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Die Preiserhöhungen können je nach Strecke höher oder niedriger ausfallen. Der Maximalpreis im deutschen Fernverkehrsnetz für eine einfache Fahrt in der 2. Klasse im ICE steigt künftig von 129 auf 135 Euro, also um 4,7 Prozent. Als Beispiel nennt der Konzern die Strecke BerlinFreiburg. Die einfache Fahrt StuttgartMünchen kostet fortan 54 Euro und damit einen Euro mehr. Auch die Bahncard wird teurer.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hält die Zuschläge zumindest im Fernverkehr für einen Skandal. Voriges Jahr habe der Konzern richtigerweise auf eine Erhöhung mit Blick auf Qualitätsmängel verzichtet, an denen sich nichts geändert habe, kritisierte Expertin Heidi Tischmann. Jeder fünfte Fernzug sei weiter verspätet, im nächsten Winter sei mangels Zügen wieder mit Behinderungen zu rechnen. „Es ist ein Skandal, dass Fahrgäste mehr Geld für ein nicht funktionierendes Bahnangebot zahlen müssen.“

Der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnete die Preiserhöhung ebenfalls als den falschen Weg. „Lieber 3,9 Prozent mehr Fahrgäste als 3,9 Prozent höhere Preise, das wäre die richtige Strategie“, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Offenbar werde nun die Preiserhöhung vom vorigen Jahr nachgeholt, das sei falsch. Der Konzern müsse dringend die Qualität der Angebote verbessern, statt nun so kräftig die Preise zu erhöhen und damit Kunden zu verschrecken. Für besonders ärgerlich hält Naumann die Zuschläge bei Reservierungen, die künftig einheitlich 4 Euro kosten, unabhängig von der Klasse und dem Vertriebsweg. Am Automaten und im Internet wird die Platzreservierung in der 2. Klasse damit um 1,50 Euro teurer. Am Schalter wird die Platzbuchung um 50 Cent günstiger. Die Reservierung umfasst einen Anschlusszug. Bei zwei Umstiegen wird die Gebühr zweimal fällig.

Bahn-Vorstand Homburg bezeichnete die Preiserhöhungen als „moderat“. Im Nahverkehr liege der Zuschlag unter den Erhöhungen großer Verkehrsverbünde der Kommunen. Im Fernverkehr habe man auf höhere Sparpreise verzichtet. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hält das Vorhaben der Bahn für begründet. Er stehe „voll und ganz“ hinter der Preisanhebung, sagte er in Hannover. Er erwarte, dass die Bahn wirtschaftlich arbeite. Dazu gehörten auch kostendeckende Preise, um etwa in Fahrzeuge investieren zu können.

Thomas Wüpper