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Deutschland / Welt Bankchefin Better rüstet HRE für Verkauf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bankchefin Better rüstet HRE für Verkauf
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21:09 07.07.2012
Seit gut zwei Jahren arbeitet Manuela Better von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt an der Sanierung der Hypo Real Estate. Quelle: dpa
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München

Manuela Better ist gerne schnell unterwegs. Auf eine noble Karosse legt die Managerin aber keinen großen Wert - nur viel PS muss ihr Auto haben. „Eine gute Motorisierung finde ich wichtig“, sagt die Chefin des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) mit einem Lächeln. Die 51-Jährige hat kein Problem damit, unterschätzt zu werden. Seit gut zwei Jahren arbeitet die zierliche Frau an der Sanierung der HRE - in der Öffentlichkeit ist sie aber so gut wie unbekannt.

Aus lautstarken Debatten um die Euro-Schuldenkrise hält sie sich heraus und auch Interviews gab sie bislang selten - obwohl sie als einzige Frau an der Spitze einer deutschen Bank fast schon Exotenstatus hat. Wichtiger ist ihr die Arbeit hinter den Kulissen: Unter den Augen der Bundesregierung muss sie die HRE nach der Verstaatlichung vor drei Jahren sanieren und fit für einen Verkauf bis zum Jahr 2015 machen. Das wird aus ihrer Sicht gelingen. „Wir sehen den Zeitplan als realistisch an und arbeiten fest an diesem Ziel“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa in München.

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Dass ihre Aufgabe nicht einfach ist, wusste sie von Anfang an. Als ihr Vorgänger Axel Wieandt nach einem Streit mit dem Bund quasi über Nacht flüchtete und ein Nachfolger gesucht wurde, hatte sie aber nicht viel Zeit zum Überlegen. „Der Anruf kam spät am Abend“, erzählt sie. Dass sie eine halbe Stunde später „Ja“ sagte, war wohl mehr Pflichtgefühl als das Streben nach Macht.

Gleich an ihrem ersten Arbeitstag als Chefin musste sie einen verbalen Fehltritt einstecken. Auf die Frage, warum die Wahl auf Better gefallen sei, lobte HRE-Aufsichtsratschef Bernd Thiemann deren Qualitäten und ergänzte wenig charmant: „Neue Besen kehren gut, alte Besen wissen, wo der Dreck liegt.“ Better konnte darüber lachen – und in ihrem Schrank stehen seitdem lauter neue Besen: Die haben ihr Freunde und Verwandte zum Geburtstag geschenkt.

Inzwischen ist die Hälfte der Strecke auf dem Weg zum Verkauf aus ihrer Sicht geschafft: Wichtigster Brocken war die Auslagerung der Altlasten in eine „Bad Bank“, durch die sich die HRE wieder auf ihr profitables Geschäft konzentrieren kann, das inzwischen in der Deutschen Pfandbriefbank gebündelt ist. Über 12.500 Einzelpositionen mit einem Volumen von 175 Milliarden Euro wurden dafür bewertet und umgebucht - eine gigantische Transaktion. „Viele Mitarbeiter haben einen teilweise übermenschlichen Einsatz gebracht“, sagt sie.

Eine noch größere Belastung für die Belegschaft war die Unsicherheit über die Zukunft der Bank. In der kritischsten Phase musste sie verhindern, dass verunsicherte Mitarbeiter kündigen und damit ihr Know-how verloren geht. „Das war kein einfacher Prozess“, sagt Better, die sich als einzige Extravaganz zu Kostüm und Goldschmuck grauen Nagellack leistet. Better sieht es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, auch schlechte Nachrichten offen zu kommunizieren und die Sorgen der Mitarbeiter ernst zu nehmen. „Das Weglaufen vor schlechten Botschaften trifft einen Chef wie ein Bumerang.“

Noch immer liegt ein Stück harte Arbeit vor ihr: So muss zum Beispiel die Betreuung des Portfolios der „Bad Bank“ von der HRE an die Abwicklungsanstalt übergeben werden. Einige hundert Mitarbeiter sollen die HRE bis zum Herbst 2013 verlassen und in eine Servicegesellschaft wechseln.

Nicht alle hatten Better den Knochenjob als HRE-Saniererin anfangs zugetraut. Inzwischen hat sie ihre Kritiker durch ihre Arbeit und ihre sachliche Art überzeugt. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat Better es mit Ehrgeiz und eisernem Willen weit gebracht. Nach einer Lehre zur Bankkauffrau studierte sie Betriebswirtschaftslehre in München und Augsburg und stieg dann als Trainee bei der Bayerischen Vereinsbank ein, die später zur HypoVereinsbank wurde. Zur HRE kam sie im Jahr 2004 als Chefin für das Risikogeschäft – um dann in den Jahren 2007 und 2008 das Asiengeschäft zu verantworten. Seit diesen Zeiten weiß sie, was in den Büchern steht - und zwar oft bis ins kleinste Detail.

Viel Zeit für das Privatleben bleibt der Managerin nach 12-Stunden-Tagen im Büro am Rande Münchens nicht. Früher hat sie im Urlaub ihren Rucksack gepackt und ist ins Flugzeug gestiegen - Laos, Kambodscha oder die Galapagos-Inseln gehörten zu ihren exotischen Reisezielen, als nächstes plant sie eine Reise nach Peru. Wenn die Zeit nur für einen Kurztrip reicht, wählt sie Städte mit einem Konzerthaus aus. Oper und Musik sind ihre große Leidenschaft. „Ich freue mich immer, wenn ich ein weiteres Opernhaus erlebt habe.“ Zu den Salzburger Festspielen setzt sie sich auch mal für ein Konzert ins Auto und fährt nachts wieder zurück nach München - dann sind die Autobahnen frei.

dpa

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