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Deutschland / Welt Banker kritisieren Rettungsplan für Finanzinstitute
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Banker kritisieren Rettungsplan für Finanzinstitute
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14:18 13.10.2011
Für die Stärkung der europäischen Banken schlägt die EU-Kommission vorübergehend höhere Kernkapitalquoten vor. Quelle: dpa
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Berlin

Bei Deutschlands Bankern wächst die Kritik an den geplanten Kapitalspritzen für europäische Geldhäuser. «Nicht die Kapitalausstattung der Banken ist das Problem, sondern die Tatsache, dass Staatsanleihen ihren Status als risikofreie Aktiva verloren haben», sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Donnerstag bei einem Kongress in Berlin. Das größte deutsche Geldhaus wolle in der Euro-Schuldenkrise erneut ohne Staatshilfe auskommen. Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis lehnte eine Rekapitalisierung von Banken mit Hilfe des Staates als «Unsinn» ab.

Um einen Kollaps der Branche in der Euro-Schuldenkrise zu verhindern, hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Banken sollten ihr Eigenkapital deutlich stärken. Falls sie sich nicht selbst helfen könnten, sollten sie notfalls mit staatlichen Mitteln abgesichert werden.

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Ackermann bezeichnete die Debatte über eine Rekapitalisierung von Geldhäusern als kontraproduktiv, «da sie das Signal sendet, dass ein Schuldenschnitt als wahrscheinlicher zu betrachten» sei. Zudem würden die Mittel zumindest für viele Banken nicht von privaten Investoren aufgebracht, was die Schuldensituation der Staaten weiter verschärfe.

Ackermann betonte, dass der europäische Bankensektor im Vergleich zur Krise 2008 wesentlich besser dastehe. Die Institute seien besser kapitalisiert, hätten weniger toxische Papiere und ein ausgefeilteres Risikomanagement.

Wie auch schon in der Wirtschafts- und Finanzkrise nach der Lehman-Pleite will die Deutsche Bank auch in den drohenden neuen Turbulenzen ohne staatliche Hilfen auskommen. «Die Deutsche Bank wird alles tun, dass wir auch dieses Mal kein Staatsgeld brauchen», sagte Ackermann. Dies könne unter Umständen heißen, «die Bilanzen massiv zu kürzen, vielleicht sogar, sich von Dingen zu trennen, die durchaus im strategischen Interesse der Bank liegen».

Nach Einschätzung von Sparkassen-Präsident Haasis können die Banken ihr Eigenkapital nicht innerhalb weniger Monate aufstocken. Das sei ausgeschlossen, sagte er im Deutschlandfunk. Medienberichten zufolge sollen Banken ihre sogenannte harte Kernkapitalquote binnen neun Monaten auf neun Prozent anheben - notfalls auch mit Staatshilfen. Je höher die Kernkapitalquote ist, desto besser ist eine Bank gegen Geschäftsrisiken geschützt.

Haasis betonte, durch das Basel-III-Abkommen sei bis 2018 eine Quote von sieben Prozent vorgesehen. Eine höhere Aufstockung in deutlich kürzerer Zeit sei nicht zu machen. Auch eine Staatsbeteiligung zur Erhöhung der Quote lehnte er ab. Das sei «Unsinn» und wäre für die Steuerzahler nicht günstiger, sagte er.

dpa