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Deutschland / Welt Bauern sollen noch produktiver werden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bauern sollen noch produktiver werden
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08:46 10.11.2009
Die Agritechnica bietet faszinierende Technik wie diesen Hightech-Güllestreuer. Quelle: Surrey
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Mehr Effizienz in der landwirtschaftlichen Produktion hat die alte und neue Bundesagrarministerin Ilse Aigner gefordert. Dies sei wichtig, um die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln und Bioenergie zu sichern, sagte die CSU-Politikerin gestern Abend vor rund 2500 Gästen zur Eröffnung der weltgrößten Landtechnikmesse Agritechnica in Hannover. Steigerungen der Produktivität sind nach Ansicht Aigners nötig, weil die Agrarflächen auf der Welt begrenzt sind. Der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, begrüßte Aigners Forderung – und schob gleich eine eigene an die Ministerin nach: Es sei ihre „wichtigste Aufgabe“, für die Land- und Ernährungswirtschaft Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie „effizient, leistungsfähig und fortschrittsorientiert die Potenziale eines der wichtigsten globalen Gunststandorte“ nutzen könne.

Dann würden die Landwirte auch investieren. Die Innovationen der Landtechnikindustrie von Maschinenleistung über die Elektronik bis zum Precision Farming (Präzisionslandwirtschaft) eröffnen Effizienzsprünge, die Investitionen rentabel machen, wie der DLG-Präsident erklärte. „Investitionen werden getätigt, wenn sie helfen, Stückkosten zu senken und damit unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“

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Auch der Konsument im Supermarkt profitiert laut Bartmer vom technischen Fortschritt der Landwirtschaft. Als Beleg verwies er darauf, dass die Verbraucher heute nur noch 11 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel ausgäben – verglichen mit 27 Prozent im Jahr 1970. Das seien 215 Milliarden Euro im Jahr. Das sei ein Konjunkturprogramm, das „erst durch ein modernes Agribusiness möglich gemacht wurde“.

Angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise warnte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, allerdings vor einer „Renationalisierung“ auch in Landwirtschaft. Dies hätte für ein so exportorientiertes Land wie Deutschland „fatale Folgen“. Die Welthandelsregeln der WTO können den in der Krise wieder aufkeimenden Protektionismus nur bedingt eindämmen, erklärte Hüther. Für Subventionen gäben sie „einen recht großen Spielraum“. Dabei schade der Protektionismus in der Agrarwirtschaft auch den heimischen Verbrauchern, weil sie höhere Preise und Steuern zahlen müssten.

Die Aussteller dürften Hüthers Botschaft gerne gehört haben, viele Firmen der Landtechnik sind weltweit tätig. Von der Agritechnica erhoffen sie sich Impulse für ihr Geschäft, das unter Krise gelitten hat. Über 2300 Firmen aus 46 Ländern – so viele wie noch nie – sind angereist, um ihre Neuheiten in Hannover zu präsentieren. Nochmals kräftig um 15 Prozent auf über 1100 hat die Zahl der Aussteller aus dem Ausland zugenommen. Die DLG erwartet mehr als 300 000 Besucher zu dem weltweit wichtigsten Branchentreff.

von Carola Böse-Fischer