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Deutschland / Welt Bauern trotz guter Ernte unzufrieden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bauern trotz guter Ernte unzufrieden
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21:09 21.08.2009
Von Carola Böse-Fischer
In Niedersachsen erreichte der Durchschnittsertrag für die wichtigste Getreidefrucht der Landwirte 85 Dezitonnen. Quelle: Rainer Surrey (Archiv)
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Das sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Freitag bei der Präsentation der Erntebilanz. Zudem machten den Landwirten hohe Kosten aufgrund der Ende 2008 „extrem“ gestiegenen Preise für Düngemittel, Saatgut und Energie zu schaffen. Mit 49,95 Millionen Tonnen fällt die deutsche Getreideernte kaum niedriger aus als 2008 mit 50 Millionen Tonnen. Diese Menge lag jedoch laut Deutschem Bauernverband um 7 Prozent über dem langjährigen Mittel.

Auf Niedersachsen entfallen 6,8 Millionen Tonnen, unwesentlich weniger als 2008, wie Konrad Weiterer, Sprecher der Geschäftsführung des gleichnamigen Landhandelsunternehmens in Algermissen, sagte. Trotz der Trockenheit im Frühsommer und des Regens während der Ernte seien die Qualitäten zufriedenstellend, erklärte der Bauernpräsident. Mit einem Ertrag von 80,4 Dezitonnen je Hektar für Winterweizen sei der Durchschnitt der vergangenen Jahre übertroffen worden.

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In Niedersachsen erreichte der Durchschnittsertrag für die wichtigste Getreidefrucht der Landwirte 85 Dezitonnen. Dagegen sind die Getreidepreise auf „historische Tiefststände“ gefallen, wie der Bauernverband klagt. Der Preis für Brotroggen liege noch bei 85 Euro je Tonne, das seien 37 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Für Brotweizen erlösen die Landwirte etwa 106 Euro je Tonne und damit 36 Prozent weniger. Noch schlimmer trifft es die Braugerstenanbauer. Die Preise für Braugerste, aus der das Malz für die Bierherstellung gewonnen wird, sind um 45 Prozent eingebrochen. Bleibe das Preisniveau von 100 Euro je Tonnen bestehen, „können wir keinem Erzeuger mehr empfehlen, noch Braugerste anzubauen“, erklärte Sonnleitner.

Die Preisrückgänge für Getreide, aber auch für Raps „bringen unsere Ackerbauern um den verdienten Lohn ihrer Arbeit“. Nicht alle, Veredlungsbetriebe und Produzenten von Bioenergie können sich günstiger mit den Rohstoffen eindecken. Einen Grund für den Preisverfall sieht die Agrarbranche in den niedrigen Ernteprognosen. „Die Pessimisten lagen daneben“, erklärte Landhändler Weiterer. EU-weit werde auch 2009 mit etwa 288 Millionen Tonnen wieder mehr Getreide geerntet als verbraucht werde, der Überschuss von 20 Millionen Tonnen müsse im Export vermarktet werden.

Auch in den USA dürfte die Ernte besser ausfallen als erwartet. Dies drückt laut Weiterer die Preise. Daher lagerten die Bauern so viel Getreide wie möglich ein und warteten auf anziehende Preise. Sonnleitner forderte Hilfe von der Politik, um den „Preisschock“ zu mildern. Die Bundesregierung solle eine steuerfreie Risikorückstellung für die Bauern schaffen. Dann könnten sie in guten Zeiten einen Teil der Erlöse zurücklegen, in schlechten könne diese Rücklage zur Verbesserung der Liquidität genutzt werden.