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Deutschland / Welt Bauern verdienen gut an der Milch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bauern verdienen gut an der Milch
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21:41 22.12.2013
Von Carola Böse-Fischer
Geben die Landwirte ihren Kühen statt Grünfutter mehr Kraftfutter zu fressen, geben sie mehr Milch. Quelle: dpa
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Hannover

Die deutschen Milchbauern stehen so gut da wie schon lange nicht mehr. Seit dem Sommer ziehen die Preise, die sie von den Molkereien für ihre Milch bekommen, kontinuierlich an. Das Deutsche Milchkontor (DMK) etwa zahlt den knapp 10 000 Landwirten aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die Deutschlands größten Molkereikonzern beliefern, derzeit 41 Cent für den Liter Milch. Das sind 8 Cent mehr als Ende vergangenen Jahres, wie ein Unternehmenssprecher der HAZ sagte. In der zweiten Jahreshälfte sind zudem die Preise für Futtermittel etwas gesunken. Das verschafft den Milchbauern eine Entlastung bei den Kosten. Dadurch bleibe für die Betriebe unter dem Strich wieder mehr übrig, erklärte ein Marktbeobachter.

Was der Milchbranche derzeit zugute kommt, ist vor allem ein florierendes Exportgeschäft. Denn der heimische Markt ist weitgehend mit Milch und Milchprodukten wie Joghurt und Käse gesättigt, wie es in der Branche hieß. In aufstrebenden Schwellenländern wie China oder Indien wachse jedoch die Nachfrage unverändert stark, der Aufbau einer eigenen Milcherzeugung und -verarbeitung werde allerdings noch Jahre dauern. Auch Russland gilt noch für lange Zeit als attraktiver Absatzmarkt. Davon profitieren die Molkereien hierzulande. Gleichzeitig verringern sie durch die Ausweitung ihrer Auslandsaktivitäten ihre Abhängigkeit vom deutschen Markt, jedenfalls zum Teil. Das verbessert die Verhandlungsposition der Molkereiunternehmen in den Preisgesprächen mit den großen Handelskonzernen wie Aldi oder Rewe. So konnten die Molkereien zuletzt höhere Preise durchsetzen – und ihren Milchbauern mehr für den Rohstoff zahlen.

Für viele Landwirte sind die hohen Erzeugerpreise Anreiz, die Milchproduktion zu erhöhen. So ist die erzeugte Milchmenge nach Branchenangaben in Norddeutschland in der zweiten Jahreshälfte um 3 bis 4 Prozent gestiegen. Erreicht worden sei dies durch eine andere Fütterung der Milchkühe. Wenn Grünfutter durch mehr Kraftfutter ersetzt werde, gäben die Kühe mehr Milch. Aber auch andere große Milchregionen wie die USA, Neuseeland oder Australien haben in den vergangenen Monaten ihre Milchproduktion kräftig erhöht. Trotzdem glaubt derzeit kaum jemand in der Milchindustrie, dass das größere Angebot die Preise drückt. Denn die weltweite Nachfrage wachse immer noch schneller als die Milchproduktion. Deshalb erwarten Branchenkenner, dass die Erzeugerpreise für die Milchbauern auch im ersten Halbjahr 2014 auf hohem Niveau bleiben oder sogar noch etwas zulegen.

Allerdings müssen sich Molkereien, die weltweit Geschäfte machen, künftig noch mehr auf Markt- und in der Folge auf Preisschwankungen einstellen, wie es hieß. Das treffe auch die Landwirte am Anfang der Wertschöpfungskette. Unternehmen, die beispielsweise nur 
H-Milch herstellen, litten unter dem Auf und Ab der Preise besonders stark.Der DMK-Konzern ist in der Lage, auf Marktschwankungen flexibel zu reagieren, weil mit hohen Investitionen in der Produktion vorgesorgt worden ist, wie ein Firmensprecher erklärte: mit einer „Milchschaukel“. Wenn etwa H-Milch schlechter laufe, würden die nicht benötigten Mengen einfach „umgeleitet“ und zur Herstellung von Milchpulver und Käse verwendet. Dank dieser Flexibilität könnten immer die Produkte verstärkt hergestellt werden, für die die „beste Verwertung“ zu erzielen sei. Bilanz zieht der Molkereiriese erst in einigen Monaten. Aber so viel steht nach Angaben des Firmensprechers fest: 2013 war für das DMK ein sehr gutes Jahr.