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Deutschland / Welt BayernLB muss Jahre auf Milliarden aus Kärnten warten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt BayernLB muss Jahre auf Milliarden aus Kärnten warten
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15:03 25.09.2010
Quelle: dpa
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Die Bayerische Landesbank muss nach dem Debakel mit der österreichischen Hypo Alpe Adria (HGAA) noch jahrelang auf die Rückzahlung milliardenschwerer Kreditschulden von der Bank warten. Im Rückzahlungsplan für die Summe von 3,9 Milliarden Euro sei eine Dauer von mehreren Jahren vereinbart, hieß es am Samstag in Finanzkreisen. Die BayernLB hatte die Bank im vergangenen Jahr nach einem finanziellen Fiasko notgedrungen an Österreich abgegeben. Allerdings ließ sie nach Verhandlungen mit Österreich 3,9 Milliarden Euro an Liquidität in der Bank, da die HGAA Pleite gegangen wäre, wenn die BayernLB das Geld abgezogen hätte.

Dieses Geld erwartet die BayernLB von der österreichischen Bank zurück. „Wir gehen von einer vollständigen Rückzahlung der Liquidität aus“, sagte ein BayernLB-Sprecher am Samstag in München. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) sieht der geheime Rückzahlungsplan vor, dass mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr 2013 fließen und der Rest bis spätestens 2016.

Erst dann wüssten Bayerns Regierung und die Landesbank, ob zusätzlich zu den in Kärnten bereits verlorenen 3,7 Milliarden Euro weitere Ausfälle zu verkraften seien. Ein Anspruch auf frühere Zahlungen bestehe nur, falls die Republik Österreich die Kärntner Bank schon vorher veräußert.

Der Fehlkauf der HGAA hatte der BayernLB im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust eingebrockt. Um sich für die Zukunft zu rüsten, prüft die BayernLB derzeit eine Fusion mit der WestLB.

Die ehemalige Kärntner Landesbank war 2007 von der BayernLB übernommen worden und erwies sich für diese als Milliardengrab. Die genauen Umstände des Kaufs der HGAA durch die BayernLB beschäftigen mehrere Staatsanwaltschaften und einen Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag. Dabei geht es auch um die Rolle des früheren Vorstandschefs Werner Schmidt, gegen den die Münchner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue und Bestechung ermittelt. Die Ermittler prüfen, ob bei dem Deal unter seiner Leitung absichtlich ein zu hoher Preis für die HGAA bezahlt wurde.

Fraglich ist nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“, ob Schmidt womöglich persönlich von dem Geschäft profitierte. Der Top-Manager und seine Kollegen hatten im Vorfeld des Deals 2006 ein Gebot für das österreichische Gewerkschaftsinstitut Bawag abgegeben, das sie angeblich favorisierten. Nach Informationen des Magazins könnte das Interesse jedoch nur vorgegaukelt gewesen sein, um vom wahren Plan des HGAA-Erwerbs abzulenken. Schmidt soll ein Konkurrenz-Kaufangebot für die Bawag um 50 Millionen Euro unterboten haben, um nicht zum Zuge zu kommen. Damit habe er seinen „Plan B“, den Kauf der HGAA, in Angriff nehmen können.

dpa