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Deutschland / Welt Chinesen machen der Messe Druck
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00:15 01.01.2014
Von Jens Heitmann
Für die deutschen Messen macht sich ihr Engagement in Schanghai bezahlt: Das Ausstellungsgelände ist gut ausgelastet. Quelle: dpa
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Hannover

Dahinter steckt der Plan der Regierung, südöstlich der Metropole ein neues Ausstellungsgelände zu errichten. Man sehe sich dadurch „gezwungen, eine mittelfristige Alternative zum SNIEC zu erarbeiten“, heißt es in einer Vorlage für den Aufsichtsrat der Deutschen Messe.

Offiziell begründet die chinesische Seite die Neubaupläne mit der hohen Verkehrsbelastung der Anwohner. Seit dem Baubeginn des SNIEC im Jahr 1999 ist der Stadtteil Pudong rasant gewachsen; er umschließt heute das Gelände nahezu. In den Gesprächen mit Vertretern der Stadtbehörden sei deutlich geworden, dass der Betrieb des SNIEC „nur noch wenige Jahre geduldet wird – trotz bestehender Verträge und Landnutzungsrechte bis 2053“, steht in der Vorlage für die Aufsichtsräte.

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Die Behörden wollen an der Küste das Projekt „Lingang New City“ vorantreiben – eine Stadt vom Reißbrett. Das dortige Messegelände soll mit 200 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche die gleiche Dimension haben wie das SNIEC – am Ende könnte es aber auch doppelt so groß ausfallen, heißt es. Bereits Ende 2014 wird innerhalb Schanghais ein weiteres Messegelände mit 400 000 Quadratmetern Hallenfläche in Betrieb gehen. Die deutschen SNIEC-Partner rechnen damit, dass von ihrem Gelände zunächst vor allem die staatlichen Veranstaltungen nach Hongqiao wechseln werden.

Die innerstädtische Konkurrenz werde die Rentabilität des SNIEC bereits von 2015 an beeinträchtigen, befürchtet man bei der Deutschen Messe. Gegenüber den Aufsichtsräten in Hannover ist von einem „Auslastungsrückgang mit Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis“ die Rede. Gleichwohl sehen sich die deutschen Partner wegen der guten Lage des Geländes, dem hohen Serviceniveau und ihrer inzwischen etablierten Marktposition „für die verschärfte Konkurrenzsituation gut gewappnet“.

Die in der „German Exposition Corporation International“ zusammengeschlossen deutschen Messengesellschaften haben das SNIEC-Projekt vor anderthalb Jahrzehnten mit einer Anschubfinanzierung von jeweils 12 Millionen Euro gestartet – seither finanziert das Joint-Venture seine Investitionen aus eigener Kraft. Die Baukosten für das komplette Gelände beliefen sich dem Vernehmen nach auf rund 500 Millionen Euro.

Das Messegelände gilt als hochrentabel. Die Umsätze sind zuletzt stetig gestiegen. 2013 lägen die Erlöse bei 110 Millionen Euro, heißt es – ein Plus von 10 Prozent. Ein ähnlicher Zuwachs sei auch für das kommende Jahr zu erwarten. Was unter dem Strich herauskommt, verraten die deutschen Partner nicht.

„Wir wollen so lange wie möglich bleiben“

Nachgefragt bei Andreas Gruchow, Vorstand Deutsche Messe

Herr Gruchow, warum wollen die Chinesen ihre deutschen Messe-Partner in Schanghai aus dem Geschäft drängen?
Davon kann gar nicht die Rede sein. Das SNIEC-Gelände hat sich in den vergangenen Jahren bestens entwickelt und 2013 einen Rekordumsatz von rund 110 Millionen Euro mit dem Vermietgeschäft erzielt. Allerdings ist Schanghai so sehr gewachsen, dass das SNIEC inzwischen mitten in der Stadt liegt. Für die Anwohner ist die Belastung durch den Messeverkehr in der Tat nicht unerheblich. Insofern ist es aus Sicht der Behörden nur folgerichtig, nach Alternativen für die mittel- und langfristige Zukunft Ausschau zu halten. Aber klar ist auch: Wir haben die Landnutzungsrechte für weitere 40 Jahre und wollen so lange wie möglich auf dem SNIEC-Gelände bleiben und dort erfolgreich Messen veranstalten.

Zwischen Wollen und Können soll in China zuweilen eine große Lücke klaffen.
Wir haben in diesem Jahr mit der Ausarbeitung und Verhandlung von Langzeitverträgen die Flächenanmietung im SNIEC begonnen. Wir gehen davon aus, bis „Chinese New Year“ im Februar mit rund 70 bis 80 Prozent der Messeveranstaltungen Verträge über die nächsten fünf Jahre abzuschließen – das belegt das große Interesse und Vertrauen der Kunden an dem Standort und die Leistungen des SNIEC. Das weiß auch unser chinesischer Partner. Wir haben aktuell keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass wir aus dem Geschäft „gedrängt“ werden sollen. Im Gegenteil, sowohl der Partner als auch die lokalen Behörden und Stadtvertreter haben wiederholt und zuletzt vor wenigen Tagen nochmals ihr Vertrauen in die deutschen Partner und das Interesse an einer langfristigen Kooperation bekundet.

Es gibt aber offenbar die klare Ansage, den Betrieb des SNIEC zugunsten der neuen Messe in Lingang zu beenden. Können und wollen Sie den Ortswechsel mitmachen?
Die Realisierung eines neuen Messegeländes in Lingang liegt noch viele Jahre in der Zukunft. Schon jetzt hat uns die chinesische Seite deutlich zu erkennen gegeben, dass wir bei dem Projekt dabei sein sollen. Unsere Expertise bei Planung, Bau und Betrieb eines Messegeländes wird hochgeschätzt. Ein Messegelände ist für uns aber Mittel zum Zweck – wir wollen in erster Priorität erfolgreich Messen in den ausländischen Wachstumsmärkten veranstalten.

Die Deutsche Messe hat mal gesagt, dass sie ein „zweites SNIEC an einem anderen Ort“ ausschließt. Gilt das noch?
Wir wollen im Ausland nicht primär in Infrastruktur, das heißt Glas, Beton und Stahl, investieren – insofern gilt der Satz immer noch. Andererseits kommt es auch immer auf die Umstände an. In China gab es damals Ende der neunziger Jahre kein adäquates Messegelände, deshalb sind wir beim SNIEC mit unseren Partnern aktiv geworden und haben eine überschaubare Anschubfinanzierung geleistet. Inzwischen ist das SNIEC zu etwa drei Viertel abgezahlt, ausgehend von einer Gesamtinvestition für Gelände und Gebäude von etwa 500 Millionen Euro. Das heißt aber nicht, dass wir nicht an dem Betrieb von Messegeländen im Ausland interessiert wären.

Gibt es schon ein konkretes Projekt?
Zurzeit sehen wir eine ähnliche Situation in Indien wie damals in China: Es gibt kaum geeignete Gelände. Am Stadtrand von Neu-Delhi plant ein Investor den Bau eines Geländes und kann sich die deutschen SNIEC-Partner Hannover, München und Düsseldorf, kurz die GEC, zumindest als Betreiber sehr gut vorstellen. Wir sind in guten Gesprächen.

Das Interview führte Jens Heitmann

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