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Deutschland / Welt Peter Hartz will es nochmal wissen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Peter Hartz will es nochmal wissen
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07:04 23.06.2014
Von Stefan Winter
Er will etwas beweisen: Peter Hartz arbeitet wieder an Konzepten. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Peter Hartz hat noch ein paar Rechnungen offen. Mit der Gesellschaft, die seinen Namen nur noch mit peinlichen Rotlichtpossen und mit „Hartz IV“ als Inbegriff sozialen Abstiegs verbindet. Vor allem aber mit sich selbst, denn der ehemalige VW-Arbeitsdirektor hat es immer sehr ernst gemeint: Er träumte mit einer leicht romantischen Beseeltheit von der Beseitigung der Arbeitslosigkeit, als er seine Reformvorschläge machte. Und er war von manchem tief enttäuscht, was im politischen Getriebe daraus wurde.

Ein Jahrzehnt ist das inzwischen her; im Sommer wird er 73 Jahre alt und will noch einmal zeigen, dass es doch gehen könnte. Am Montag startet im heimatlichen Saarbrücken der von ihm maßgeblich initiierte „Europatriates“-Kongress, auf dem es drei Tage lang um die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa gehen wird. Der Schirmherr der Veranstaltung ist José Manuel Barroso, noch Präsident der Europäischen Kommission. Justizminister Heiko Maas - Saarländer wie Hartz - schmückt die Gästeliste, ebenso der Chef der Arbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise, EU-Arbeitskommissar László Andor und der italienische Arbeitsminister Giuliano Poletti.

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Im Vorfeld hat Hartz bereits die Richtung vorgegeben: Die Lösung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa koste 215 Milliarden Euro, sagte er dem „Handelsblatt“. Die EU habe aber nur 6 Milliarden Euro vorgesehen, „das reicht bei weitem nicht aus“ um europaweit 5,5 Millionen Jugendliche in Arbeit zu bringen. Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit müsse von den EU-Staaten gemeinsam mit der Finanzindustrie angegangen werden. „Die Ressourcen sind da, Europa ist so reich“, sagt Hartz.

In Saarbrücken will er das mit Wissenschaftlern erstellte Programm namens „Europatriates“ vorstellen. Die Idee dahinter: Arbeitslose Jugendliche finden in einem europäischen Gastland einen Job oder werden dort ausgebildet und kehren dann mit Berufserfahrung in ihre Heimat zurück. Das Herkunftsland wird parallel dabei unterstützt, wieder selbst Jobs zu schaffen. Als ein Instrument zur Finanzierung der Ausbildung wird ein von öffentlichen und privaten Anlegern gespeister Fonds vorgeschlagen, der ein Wertpapier für Ausbildungszeit ausgibt, das auch gehandelt werden kann.

„Wenn Sie die Finanzindustrie dazu bekommen, das mit den Staaten gemeinsam anzugehen, dann ist das doch auch ein riesiges Konjunkturprogramm für die Länder: Es sorgt für Arbeit, löst das Altersvorsorgeproblem der jungen Generation und behebt mittelfristig den Fachkräftemangel in Europas Wirtschaft“, sagte Hartz. Ein bisschen Romantiker ist er also immer noch.

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