Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn gestorben
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn gestorben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:48 04.10.2009
Reinhard Mohn ist tot. Quelle: ddp
Anzeige

Mohn, zu dessen Tod auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kondolierte, zählt zu den großen Unternehmerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Aus dem aktiven Geschäft hatte sich Mohn bereits vor Jahren zurückgezogen und die Verantwortung für die Familieninteressen in die Hände seiner Frau Liz gelegt. Dennoch galt er nach wie vor als einflussreich. Mohn, seit Jahren schwer krank, war zuletzt Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats.

Anzeige

Der Vorstandschef von Bertelsmann, Hartmut Ostrowski, würdigte den Verstorbenen als „einen der größten Unternehmer unserer Zeit“ und eine “überragende Unternehmer- und Stifterpersönlichkeit“.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) kondolierte auch im Namen von Merkel. Mohn habe „seinen legendären unternehmerischen Erfolg als Medienunternehmer immer mit einem vorbildlichen gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Engagement verbunden“, erklärte Neumann. Mohns herausragendes Lebenswerk werde in der von ihm gegründeten Bertelsmann-Stiftung fortwirken. Auch FDP-Chef Guido Westerwelle hob insbesondere Mohns Vorbildfunktion für den „inneren Zusammenhang von unternehmerischem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortung“ hervor.

Mohn hatte Bertelsmann in fünfter Generation übernommen und aus dem mittelständischen Familienbetrieb einen der größten Medienkonzerne der Welt geschmiedet. Er wurde am 29. Juni 1921 in Gütersloh geboren. 1947 übernahm er die Leitung des familieneigenen Verlags und erweiterte das Geschäft in den folgenden Jahrzehnten weit über das Vertriebs- und Verlagsgeschäft hinaus. Zudem baute er das Familienunternehmen zu einer Aktiengesellschaft um, scheute aber vor einem Börsengang zurück. Als der damalige Bertelsmann-Star Thomas Middelhoff zu sehr aufs Börsenparkett drängte, entließ ihn die Eignerfamilie.

1981 schied Reinhard Mohn mit 60 Jahren aus dem Bertelsmann-Vorstand aus. Bis zuletzt gehörte er dem Kuratorium der von ihm gegründeten einflussreichen Bertelsmann Stiftung an.

Mohn wollte ursprünglich Ingenieur werden und galt als leidenschaftlicher Spaziergänger, der in jüngeren Jahren am Wochenende bis zu 30 Kilometer wanderte, um Ruhe zum Nachdenken zu haben. Als eine seiner bahnbrechenden Innovationen gilt der Buchclub, der in den 50er Jahren ins Leben gerufen wurde und Bücher unter Umgehung des traditionellen Buchhandels direkt an die Kunden lieferte. Aber auch die Erweiterung des Konzerns sowohl ins Ausland als auch um neue Medien - Zeitschriften, Fernsehen und Internet - gelten als Verdienste Mohns.

Mohn trat bei Bertelsmann ein großes Erbe an: Die Geschichte des Konzerns reicht bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Juli 1835 gründete der Drucker Carl Bertelsmann in Gütersloh einen Verlag mit eigener Druckerei, der unter anderem christliche Liederbücher herausgab. Gegen Ende des Jahrhunderts heiratete Johannes Mohn in die Familie ein und führte die Geschäfte fort. Reinhard Mohn war sein Enkel.

afp