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Deutschland / Welt Bestürzung über Aus für Quelle
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bestürzung über Aus für Quelle
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17:11 20.10.2009
Quelle: ddp
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Der bayerische DGB-Vorsitzende Fritz Schösser sagte, durch dieses „Drama“ müsse der Verlust von insgesamt 6000 bis 7000 „plus X“ Arbeitsplätzen befürchtet werden. Die SPD gab der CSU eine „Mitschuld“ an dem Ende von Quelle.

Zeil versicherte, die bayerische Staatsregierung habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um dem Unternehmen Perspektiven zu eröffnen. Er fügte hinzu: „Wir haben mit der Gewährung des Massekredits die Voraussetzungen für die Investorensuche geschaffen.“ Zudem habe die Staatsregierung bei den Verhandlungen für eine Verlängerung der Factoring-Vereinbarung den Insolvenzverwalter und die involvierten Banken „von Beginn an nach Kräften unterstützt“.

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DGB-Chef Schösser rechnet zwar mit einer „ganzen Reihe von Übernahmeangeboten für lukrative Bereiche bei Quelle“. Es sei aber die Verlagerung der Arbeitsplätze an andere Orte zu befürchten. Deshalb gehe es jetzt darum, „sofort einen Plan zu erstellen, welche Interessenten bereit und in der Lage sind, die Arbeit am Standort Nürnberg weiterzuführen“. Außerdem müsse geprüft werden, mit welchen Mitteln der Arbeitsmarktpolitik den Beschäftigten geholfen werden könne.

Schösser lobte zugleich das Engagement des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) für Quelle. Der DGB-Chef sagte: „Ich glaube, was politisch zu tun war, ist politisch getan worden. Ich habe keinen Grund, dem Herrn Seehofer Vorhaltungen zu machen.“ Klar sei, dass der Staat in solchen Fällen „nicht Unternehmer spielen“ könne.

Der bayerische SPD-Chef Florian Pronold kritisierte dagegen: „Statt sich wirklich um den Erhalt der Arbeitsplätze zu kümmern, hat Ministerpräsident Horst Seehofer vor der Bundestagswahl eine Show abgezogen.“ Kurz nach der Einleitung des ersten Rettungsversuches habe Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) von der Abwicklung des Unternehmens gesprochen. Pronold fügte hinzu: „Wie sollen Kunden und Zulieferer noch Vertrauen in Quelle haben, wenn der Marktradikale Guttenberg schon das Sterbeglöckchen läutet?“

Der CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber verteidigte das Vorgehen von Seehofer: „Man muss ihm positiv anrechnen, dass er versucht hat, Arbeitsplätze und Quelle zu retten.“ Die Gründe dafür, dass dies nicht gelungen sei, lägen „allein im wirtschaftlichen Bereich“. Huber fügte hinzu: „Deshalb sehe ich da in keiner Weise Anlass für Vorwürfe an den Ministerpräsidenten.“

Der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) gab der Bundesregierung eine Mitschuld am Untergang des Traditionsunternehmens. Es sei ein Fehler gewesen zu behaupten, die Insolvenz sei für Quelle eine Chance. Jung kritisierte zudem: „Opel bekommt Geld wie Heu, während Quelle nie eine ähnliche Unterstützung aus Berlin erfahren hat.“

Die insolvente Konzernmutter Arcandor hatte am Montag bestätigt, bis zum Ende der Angebotsfrist keine Offerte für die Quelle-Dachgesellschaft Primondo erhalten zu haben.

ddp