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Deutschland / Welt Bionade-Gründer geben ihr Lebenswerk auf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bionade-Gründer geben ihr Lebenswerk auf
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19:11 01.02.2012
Mittlerweile hat sich Bionade in der Masse der Bio-Limos fast verloren. Quelle: dpa
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Ostheim

Die Bio-Brause kam aus dem Nichts der fränkischen Provinz. Ganz plötzliche löste die Bionade kurz nach der Jahrtausendwende einen Trend aus. Das Erfrischungsgetränk war das Symbol für urbanen Lebensstil, gepaart mit ökologischem Bewusstsein. Jeder, der hip war oder sich dafür hielt, trank die Kult-Limo. Kritiker lobten das wie Bier gebraute Getränk in den höchsten Tönen. Die Zeitschrift „Ökotest“ gab der Limo ein „sehr gut“, das Unternehmen wurde mit Preisen für Design und Unternehmensführung überhäuft. Doch dem Trendsetter folgten Nachahmer: Mittlerweile hat sich Bionade in der Masse der Bio-Limos fast verloren.

Nach der Euphorie von 2006 war es um das Unternehmen ruhiger geworden. Zuletzt aber kamen Gerüchte um die wirtschaftliche Zukunft auf: Ein Rückkauf der Anteile vom Lebensmittelkonzern Oetker war ebenso im Gespräch wie über eine komplette Übernahme durch Oetker.

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Nun ist die Katze aus dem Sack: Die Gründerfamilie zieht sich ganz aus dem Unternehmen zurück. Am Dienstag gab die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe bekannt, dass sie die restlichen 30 Prozent der Kowalsky-Brüder übernommen habe. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt, die Brüder Stephan und Peter teilten nur mit, dass sie Firma und Mitarbeiter bei Radeberger in soliden Händen wüssten.

2009 war der Konzern bei dem Familienunternehmen eingestiegen. „Wir wollen nicht, dass Bionade so etwas wie eine kleine Szene-Limo in Deutschland bleibt“, begründete Bionade-Geschäftsführer Stephan Kowalsky die Entscheidung damals. Doch Bionade-Fans warfen der Firma Verrat vor. Kommerz und Bio - das gehe nicht zusammen.

Bionade war einmal der kleine szenige Newcomer und nun ist sie Coca-Cola unter den Bio-Limos geworden“, sagt Trendforscherin Antje Schünemann vom Trendbüro Hamburg dazu. Die Limo habe deshalb stark an Glaubwürdigkeit verloren.

Der Absatz brach ein. 2006 kam Bionade mit 160 Mitarbeitern noch auf rund 14 Millionen Euro Umsatz, verkaufte 70 Millionen Flaschen. 2007 sollten es etwa 200 Millionen werden - doch tatsächlich sollen laut Branchenkreisen seitdem zwei Drittel weniger verkauft worden sein. Bionade selbst kommentiert die Zahlen nicht. Auch Radeberger hält sich bedeckt. Zumindest ist die Rede davon, dass es nach einem Absatzknick seit April 2011 wieder aufwärtsgehe. Radeberger sprach kürzlich in dem Zusammenhang auch von einer „kleinen Lernkurve“, die man seit Ende 2009 miteinander gedreht habe.

Nun legen die Kowalsky-Brüder ihr Lebenswerk in andere Hände, wollen sich neuen Projekten zu nachhaltiger Entwicklung widmen, sagen sie. Die Verantwortung liegt beim bisherigen dritten Geschäftsführer Christian Schütz - der war von Oetker zum Finanzchef bestellt worden.
Es ist kein hoffnungsloses Unterfangen, obwohl der Ruf der Marke angekratzt ist. Für die Trendforscherin Schünemann liegt die Lösung in der Rückbesinnung: „Bionade müsste wieder sein, was sie vorher war. Die Frage ist nur, ob das überhaupt noch möglich ist.“

dpa/frs