Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Blinkende Schuhe sind jetzt Sondermüll
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Blinkende Schuhe sind jetzt Sondermüll
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:05 14.08.2018
Leuchtende Sportschuhe, Möbel mit LED-Licht oder beheizbare Handschuhe – das alles ist jetzt aus gutem Grund Sondermüll. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Essen

Wenn Kleidung nicht mehr passt, kann man sie in den Altkleidersack geben. Ist sie verschlissen, wirft man sie in den Hausmüll. Doch bei Turnschuhen mit blinkender Sohle geht das nicht. In ihnen stecken Batterien und elektrische Teile. Solche Metalle und andere Materialien können Umwelt und Gesundheit schaden – in den normalen Müll dürfen sie deswegen nicht.

Von heute an gilt ein neues Gesetz: Möbel und Kleidung mit elektrischen Teilen – also etwa Leuchtschuhe, Schränke mit eingebauten LED-Lampen oder beheizbare Handschuhe – müssen nun gesondert entsorgt werden.

Woran erkenne ich diesen Sondermüll?

Man erkennt diese Gegenstände an einem Symbol: Eine durchgestrichene Mülltonne zeigt, dass sie nicht in den normalen Abfalleimer gehören.

Und wo soll dieser Müll dann hin?

Er lässt sich zum Beispiel bei Sammelstellen für Elektroschrott abgeben. Viele Kommunen unterhalten Recyclinghöfe, die alle Arten von Sondermüll annehmen. Auch einige Läden nehmen solche Waren zurück. Was nicht von den Verbrauchern zur Wertstoffsammelstelle gebracht wird, kann unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos beim Händler abgegeben werden.

Eine Rücknahmeverpflichtung für Händler besteht jedoch nur bei Geräten mit einer Kantenlänge von bis zu 25 Zentimetern oder beim Kauf eines Neugeräts – vorausgesetzt, das Geschäft hat mindestens 400 Quadratmeter Verkaufsfläche für Elektrogeräte. Ob dabei auch Blinkschuhe mit einer Länge von mehr als 25 Zentimetern zurückgenommen werden, sei Kulanz des Händlers, sagt Ragna Sturm von der Stiftung Elektro-Altgeräte Register.

Warum sind Blinkschuhe plötzlich Sondermüll?

Eine Neuregelung des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes bringt diese Änderung mit sich. Vom 15. August an fallen alle elektrischen und elektronischen Geräte unter das Gesetz, sofern sie nicht ausdrücklich davon ausgenommen sind. Damit können ausgediente Möbel oder Kleidungsstücke mit elektrischen Bauteilen zu Elektroschrott werden, der getrennt entsorgt werden muss. „Dadurch wird das Spektrum der Elektrogeräte, die unter das Gesetz fallen, vergrößert“, sagt Sturm. Voraussetzung sei, dass die elektrischen Teile so verbaut sind, dass sie nicht ohne Zerstörung ausgebaut werden können.

Was sagen die Händler zur Rücknahmeverpflichtung?

Die sind alles andere als erfreut und schlagen Alarm. Kleinbetriebe würden „zur Müllhalde des Onlinehandels“, schimpfte die „Deutsche Handwerks-Zeitung“. Mit der Erweiterung der Entsorgungspflicht könnten sich die Probleme noch verschärfen: „Man denke etwa an höhenverstellbare Schreibtische, Badezimmerschränke mit LED-Beleuchtung oder an Jacken und Schuhe, die kleine LED-Lampen eingenäht haben sowie Handschuhe mit Wärmeelementen“, hieß es in dem Artikel.

Was soll das Gesetz erreichen?

Bereits seit Ende Juli 2016 dürfen Verbraucher ihre ausgedienten Elektrogeräte abgeben, das Elektro- und Elektronikgesetz ist bereits seit Jahren in Kraft. Ziel des Gesetzes ist es, die Sammelquote für Elektroschrott zu erhöhen und für mehr Recycling zu sorgen. Seit Mitte 2017 droht Händlern, die gegen die Rücknahmepflicht verstoßen, ein hohes Bußgeld.

Elektroschrott wird illegal entsorgt oder ins Ausland geschafft

Im Jahr 2015 wurden nach Angaben des Umweltbundesamts rund 722 000 Tonnen Elektrogeräte gesammelt – 623 000 Tonnen davon aus Privathaushalten.

Das ist zu wenig. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) beklagt, dass von rund 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott, die in Deutschland jährlich anfallen, lediglich etwa 40 Prozent ordnungsgemäß erfasst werden. Der größte Teil werde illegal entsorgt oder exportiert. Dem hohen Abfallaufkommen und der geringen Sammelmenge werde nichts entgegengesetzt. Elektro- und Elektronikgeräte würden immer kurzlebiger und schwerer zu reparieren, kritisiert die Organisation.

Die Gesetzesänderung
, die von heute an greift, ist aus Sicht des Umweltverbands eine Verbesserung. Ein Teil des Sperrmülls müsse nun als Elektroschrott behandelt werden, und für diesen gebe es strengere Umweltvorgaben, sagte DUH-Abfallexperte Philipp Sommer.

Die Organisation rechne dadurch zwar mit einem Anstieg der Menge an eingesammeltem Elektroschrott, jedoch nicht mit einem Zuwachs bei den Recyclingquoten.

Von dpa/RND