Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Boeing-Absturz: War mehr Sicherheit zu teuer?
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Boeing-Absturz: War mehr Sicherheit zu teuer?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:33 22.03.2019
Trauer an der Absturzstelle der Boing 737 in Äthiopien. Quelle: Getty Images
New York

Zwei Flugzeuge von Boeing sind innerhalb von fünf Monaten abgestürzt. Ein Bericht der „New York Times“ („NYT“)nährt nun den Verdacht, dass die Abstürze vermeidbar gewesen wären – wenn bestimmte Teile nicht als kostenpflichtige Zusatzausstattung verkauft worden wären.

Noch gibt es keine offiziell festgesellte Absturzursache, doch ein Flugstabilisierungssystem gerät immer mehr ins Visier der Sicherheitsbehörden. Das sogenannte MCAS soll dafür sorgen, dass sich das Flugzeug automatisch gerade ausrichtet, wenn die Gefahr eines Strömungsabrisses besteht. Bei Flugzeugen ist das stets eine Gefahr, denn im Fall eines Strömungsabrisses fällt der Auftrieb der Tragflächen weg und das Flugzeug wird unkontrollierbar. Dies droht vor allem, wenn Flugzeuge besonders steil nach oben fliegen.

Das von Boeing in der 737 Max 8 verbaute MCAS soll das verhindern, indem der Anstellwinkel gemessen wird und das MCAS gegebenenfalls eine Kurskorrektur einleitet – also dafür sorgt, dass die Nase des Flugzeugs nach unten gedrückt wird. Dabei verlässt sich das MCAS zur Messung des Anstellwinkels auf Sensoren. Und diese könnten nicht richtig funktioniert haben, berichtet die „NYT“ unter Berufung auf US-Behörden, die den Absturz untersuchen. Die Folge wäre ein Sinkflug gewesen, den das MCAS aufgrund fehlerhafter Daten einleitete – und den die Piloten nicht mehr korrigieren konnten.

Viele Airlines mögen es billig

Für Boeing und die Airlines ist der NYT-Bericht pikant. Denn theoretisch gibt es demnach mehrere technische Lösungen, um einem solchen Fall vorzubeugen. Doch zwei der zentralen technischen Vorrichtungen sind laut der „NYT“ kostenpflichtige Upgrades, die Boeing nicht standardmäßig verbaut. Und die sich einige Airlines aus Kostengründen gern sparen.

Im Fall der jüngsten Abstürze geht es offenbar um zwei Vorrichtungen, die Boeing hätte verbauen können: Einerseits eine Kontrollleuchte, die auf mögliche Sensorenfehler hinweist und die Boeing schon vor dem jüngsten Absturz in Äthiopien als Standard aller neuen 737 Max 8 angekündigt hat. Und andererseits ein sogenannter Angle-of-Attack-Indicator, der die Piloten über den aktuell geflogenen Anstellwinkel informiert. „Die sind kritisch und kosten fast nichts“, so der Luftfahrtberater Björn Fehrm der „NYT“ über die beiden Systeme.

„Viele Airlines wollen das billigste Flugzeug, dass sie kriegen können“, sagt aber der Anwalt und Luftfahrtexperte Mark H. Henrich der „NYT“ über die optionalen Upgrades, mit denen Boeing – aber auch Airbus – dem Bericht zufolge viel zusätzliches Geld verdienen. Branchenkenner schätzten gegenüber der „NYT“ den zusätzlichen Umsatz der Hersteller mit solchen Upgrades auf etwa 5 Prozent, pro Flugzeug zwischen 800 000 Dollar und 2 Millionen Dollar.

Boeing will nach Informationen der „NYT“ nun nachbessern: Das MCAS soll sich auf mehr Sensoren stützen – und im Fall widersprüchlicher Daten abschalten. Realisiert werden soll das per Software-Update. Derweil haben mehrere große Airlines bestätigt, für ihre Flugzeuge die kostenpflichtigen Upgrades dazu gebucht zu haben. Inwiefern das für Ethiopian Airlines und Lion Air, die beiden von Abstürzen betroffenen Fluggesellschaften, gilt, berichtete die „NYT“ nicht.

Von RND/Christoph Höland

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mann trägt Bart – dieser Trend gerade bei jungen Leuten hält sich schon seit Jahren. Der Handel spürt die Folgen. Doch im Bart-Boom gibt es nicht nur Profiteure.

22.03.2019

Können E-Scooter bald das Auto ersetzen? Wie viel Potenzial haben sie wirklich? Verkehrsexperte Timm Fuchs hat Antworten auf diese Fragen.

22.03.2019

Boeing steckt in der Krise: Nach den beiden Abstürzen von Maschinen vom Typ 737 Max zieht ein Großkunde Konsequenzen und storniert die Bestellung von 49 Flugzeugen dieses Typs. Davon könnte die europäische Konkurrenz profitieren.

22.03.2019