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Deutschland / Welt Börse ebnet VW-Vorzügen den Weg
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Börse ebnet VW-Vorzügen den Weg
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08:53 08.04.2009
Von Stefan Winter
Quelle: Steffi Loos/ddp
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Sollten die Stammaktien bei einer weiter steigenden Porsche-Beteiligung aus dem Index herausfallen, könnten die Vorzüge nun jederzeit sofort nachrücken, sagte der Leiter des Indexgeschäfts der Deutschen Börse, Hartmut Graf, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Vorzüge stiegen gestern um 5 Prozent, schon vorher hatten die Papiere deutlich zugelegt.

Wenn von VW-Aktien die Rede ist, geht es seit Monaten eigentlich nur um die sogenannten Stämme. Nur sie bieten ein Stimmrecht in der Hauptversammlung und sind damit für die Großaktionäre Porsche und das Land Niedersachsen interessant. Porsches Aktienkäufe und die Spekulationen drumherum trieben den Kurs der Stämme im vergangenen Jahr zeitweise auf mehr als 1000 Euro, gestern lag er bei 236 Euro – gemessen an der aktuellen Geschäftslage immer noch sehr hoch.

Die Vorzugsaktien gerieten dagegen beim Wolfsburger Machtkampf aus dem Blick. Sie bieten zwar etwas mehr Dividende, aber kein Stimmrecht. So fielen sie – wie die meisten anderen Aktien – im September, während der Kurs der Stämme steil nach oben ging. Der Wert der Vorzüge ist heute mit 52 Euro rund die Hälfte niedriger als vor einem Jahr.

Feinarbeit am Regelwerk der Börse hat sie wieder interessant gemacht. Von einem Unternehmen werde immer nur eine Aktiengattung im Index berücksichtigt, sagte Hartmut Graf. Sollte sie aus irgendeinem Grund wegfallen, werde künftig aber sofort die andere Gattung berücksichtigt. Nach den bisherigen Regeln hätte eine Wartezeit dazwischen gelegen. Das sei eine allgemeine Klarstellung und keine „Lex VW“.

Der Autobauer liefert aber den Präzedenzfall. Nach wie vor will Porsche seine VW-Beteiligung auf mehr als 75 Prozent aufstocken. Geschieht das, lägen von den insgesamt 295 Millionen Stammaktien allein 280 Millionen in den Depots Porsches und Niedersachsens. Der Rest, der sogenannte Free Float, wäre zu klein für die Dax-Mitgliedschaft. Dagegen sind die Vorzüge breit gestreut, alle 105 Millionen Aktien gelten als sogenannter Free Float.

Die Dax-Mitgliedschaft bliebe nicht automatisch in der „VW-Familie“, nach heutigem Stand wären die Vorzüge aber erster Nachfolgekandidat. Sie lägen bei Marktwert und Börsenumsatz vor dem nächsten Kandidaten Gea Group, sagte Christian Kahler von der DZ Bank.

Die Mitgliedschaft im Dax kann den Kurs beeinflussen, weil indexgebundene Fonds ihre Anlagepolitik daran ausrichten – sie würden also bei einem Wechsel die Stammaktien abgeben und die Vorzüge kaufen. Auf den Punktestand des Dax würde das nicht durchschlagen, erklärte ein Sprecher der Deutschen Börse. Wie bei jedem Wechsel im Index würden Unterschiede beim Kursniveau und der Marktkapitalisierung auch bei einem VW-internen Tausch rechnerisch ausgeglichen.

Bis dahin dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen, denn um Porsches VW-Pläne ist es mit Beginn der Wirtschaftskrise stiller geworden. Offiziell heißt es zwar weiterhin, dass man den Anteil von zuletzt 51 Prozent noch in diesem Jahr über die 75-Prozent-Marke bringen wolle – aber nur, wenn die Rahmenbedingungen es zuließen.