Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Was bedeutet der Handelsstreit für Beschäftigte, Verbraucher und Sparer?
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt

Börsen brechen ein: Das müssen Verbraucher, Sparer und Beschäftigte zum Handelsstreit wissen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 06.08.2019
Betrübt Stimmung: Die Börsen weltweit haben zuletzt ins Minus gedreht. Quelle: AP
Washington/Peking

Im Handelsstreit zwischen den USA und China ist eine neue Eskalationsstufe erreicht: Weil die chinesische Währung Yuan zuletzt deutlich an Wert verlor, werfen die USA China Währungsmanipulation vor. Eine Übersicht darüber, in welchen Bereichen auch Beschäftigte, Aktionäre, Sparer und Verbraucher von dem Konflikt betroffen sein könnten.

Was ist passiert?

Die chinesische Währung Yuan ist am Montag auf den tiefsten Stand zum US-Dollar seit mehr als elf Jahren gefallen, ein Yuan entsprach mehr als sieben Dollar - aus Sicht vieler Fachleute eine rote Linie. Denn ein niedriger Wert des Yuan verbilligt chinesische Exporte.

Und weil der Wechselkurs des Yuan von der Notenbank beeinflusst wird, vermuten Einige in der jüngsten Abwertung eine weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Abwertung als „Währungsmanipulation“ – was die Angst vor weiteren amerikanischen Vergeltungsmaßnahmen nährte.

Das wiederum hätte auch aus Auswirkungen auf den Welthandel und würde mittelfristig auch deutsche Verbraucher treffen.

Der Arbeitsmarkt

Die Zölle, die die USA und China wechselseitig auf Importe aus dem jeweils anderen Land verhängt haben, zeigen schon Wirkung - ebenso wie die jüngste Abwertung des Yuan. „Solche Schritte fördern Verunsicherung,“ sagt Olaf Wortmann, Konjunkturexperte des Dachverbands der Maschinen und Anlagenbauer (VDMA).

Und Verunsicherung ist schlecht für das Geschäft deutscher Maschinenbauer: 80 Prozent ihrer Anlagen gehen ins Ausland. Und erwarten dortige Abnehmer wegen des Handelsstreits schlechtere Geschäfte, schlägt sich auch in niedrigeren den Auftragseingängen nieder. Zumindest in absehbarer Zeit dürfte in der Branche die Arbeitslosigkeit allerdings nicht steigen, stattdessen herrscht immer noch Fachkräftemangel. Aus diesem Grund rechnet Wortmann nicht mit einem merklichen Stellenabbau.

Auch die deutsche Automobilindustrie ist bislang nur indirekt vom Handelsstreit betroffen. In den USA für den chinesischen Markt produzierende Hersteller wie BMW könnten zwar unter den Zöllen leiden. Doch direkt betroffen sind deutsche Werke kaum. Die hiesige Autoindustrie leidet zwar darunter, dass im Zuge einer weltweiten Wirtschaftsflaute auch die Nachfrage nach Autos sinkt - ausschlaggebender für die aktuellen Probleme bei Herstellern und Zulieferern ist aber der Strukturwandel in der Branche.

Zumindest Zölle auf europäische Auto-Exporte in die USA scheinen derzeit sogar vom Tisch zu sein. US-Präsident Trump hat die jüngste EU-Ankündigung, mehr US-Rindfleisch zu importieren, offenbar vorerst besänftigt. Bei einer Pressekonferenz verkündete er zwar jüngst neue Abgaben - bezeichnete das aber prompt als Scherz.

Aktionäre leiden

Aktionäre mussten wegen des Handelsstreits zuletzt großteils herbe Verluste hinnehmen. Auch, weil die Abwertung des Yuan aus Sicht mancher Analysten als Einstieg in einen Währungskrieg gesehen wird. Käme es beabsichtigt oder auch unabsichtlich dazu, „wären die Folgen dramatisch, denn dann gibt es keine Gewinner, nirgends“, sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Dow-Jones-Index hatte am Montag einen seiner schlechtesten Tage seit langer Zeit. Quelle: AP

Diese Sorgen haben Börsen geprägt: Seit Trump in der vergangenen Woche neue Zölle angekündigt hat, ist der Dax auf Talfahrt. Die Abwertung des Yuan tat ihr übriges, mittlerweile hat der Aktienindex in vier Tagen etwa 450 Punkte verloren. Auch der amerikanische Dow Jones, der japanische Nikkei und die großen Chinesischen Indizes drehten deutlich ins Minus.

Nachdem am Dienstag der Yuan wieder leicht an Wert gewann, entspannte sich die Situation an den Börsen allerdings etwas. Am Nachmittag verzeichneten mehrere große Indizes leichte Gewinne.

Sparer vorerst sicher

Wer sein Geld nicht in Aktien gespart hat, muss sich vorerst keine großen Sorgen machen. Gewinne eingestrichen hat sogar, wer in Gold investiert hat: Das als sichere Anlage geltende Edelmetall stieg am Dienstag zwischenzeitlich auf ein Sechs-Jahreshoch.

Verschärft sich der Handelsstreit, könnte auch Besitzern von Sparbüchern und Lebensversicherungen Ungemach drohen. Bleibe es beim niedrigen Wert des Yuan, könnte die US-Notenbank versuchen, die Wechselkurse durch niedrigere Leitzinsen wieder zu erhöhen, warnte Claus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) gegenüber der DPA.

„Andere Notenbanken dürften ihre Geldpolitik dann ebenfalls lockern, um eine Aufwertung der nationalen Währungen zu verhindern“, sagt Gern allerdings. In Zeiten ohnehin magerer Zinserträge wäre das für Sparer eine weitere Hiobsbotschaft.

Verbraucher freuen sich über niedrigere Preise

Wer Waren aus China – also beispielsweise Smartphones, Fernseher oder Textilien – kauft, könnte zunächst vom niedrigen Wert des Yuan profitieren. Denn dieser verbilligt auch Importe aus China nach Europa. Die Auswirkungen auf den Preis dürften sich aber erst zeitverzögert zeigen, weil die entsprechenden Lieferverträge etwas langfristiger geschlossen werden.

Bei der gegenwärtigen Abwertung des Yuan dürften die Preisvorteile außerdem im Promille-Bereich liegen.

Wenn der Handelsstreit weiter eskaliert, dürften diese Vorzüge allerdings dahin sein: Die Produktionsketten von Konsumgütern sind global eng verflochten – dass irgendwo erlassene Zölle irgendwelche Vorprodukte verteuern und somit auch die Endprodukte im Preis steigen, ist nicht auszuschließen.

Wie geht es weiter

Das weiß niemand. Die chinesische Notenbank hat am Dienstag die Vorwürfe zurückgewiesen, die Abwertung des Yuan vorangetrieben zu haben. Die jüngste scharfe Abwertung des Yuan sei vielmehr durch den Markt bewirkt worden, heißt es in einer Erklärung der chinesischen Notenbank. China werde seine Währung nicht aus wettbewerblichen Gründen abwerten oder sie als Instrument im Handelskonflikt mit den USA einsetzen.

Im Herbst wollen die USA und China erneut über Maßnahmen zur Beilegung des Handelsstreits sprechen.

Lesen Sie auch:
Kommentar: Eskaliert der Handelskrieg weiter, gibt es nur Verlierer

Von RND/dpa/Christoph Höland und Frank-Thomas Wenzel

Die Deutsche Post rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit mehr als einer Milliarde Euro Gewinn. Wohl auch, weil das Briefporto steigt. Und obwohl es immer mehr Beschwerden gibt.

06.08.2019

Waren im Wert von sieben Milliarden Euro landen bei deutschen Händlern jährlich im Müll. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will das nun ändern: Was noch genutzt werden kann, darf einem Gesetzentwurf zufolge nicht mehr weggeworfen werden.

06.08.2019

Stark verspätete Verkehrsmittel sind besonders auf Urlaubsreisen ärgerlich. Für Fluggäste gibt es immerhin Entschädigungen bis zu 600 Euro oder individuellen Schadenersatz. Wer beides will, stößt aber an Grenzen – die jetzt der Bundgerichtshof gezogen hat.

06.08.2019